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Am 8. Mai feiert die Welt das Ende des Hitler-Faschismus.
Der Faschismus ist nicht tot! Er lebt und findet eine immer größere Anhängerschaft.
Ab dem Überfall auf Polen wurden die grauenhaften Pläne der Nazis in die Tat umgesetzt.
Das polnische und das russische Volk gehörte mit Millionen anderer Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, Religionen, Zugehörigkeiten zu anderen Bevölkerungsgruppen und unerwünschten Parteien zu den Menschen, deren Ermordung von den Nazis ein klares Ziel war.
„Zwangsarbeiter“ – der Begriff hört sich fast so nett an wie Fabrikarbeiter, Minijobber oder Bürgergeldempfänger.
Doch was versteckt sich hinter diesem Begriff?
Nicht einmal die echte Erklärung!
Das wäre nur ein Bruchteil dessen, was auch diesen Menschen an Leid zugefügt wurde.
Die deutschen Männer wurden in den Krieg geschickt.
Somit fehlten sie überall in der produktiven Gesellschaft:
Auf Bauernhöfen, in Fabriken, in Bergwerken, beim Straßenbau, Kanalbau, Eisenbahnbau etc.
Nun gab es immer mehr kriegsgefangene Soldaten aller möglichen Nationalitäten. Diese Kriegsgefangenen wurden dorthin verteilt, wo arbeitende Hände nötig waren.
Am größten war jedoch der Hass auf die „Untermenschen“ aus dem Osten.
Der Bedarf an Hilfskräften wurde immer größer, also „bedienten“ sich die Nazis hauptsächlich in Polen und Russland an den Menschen.
Stellt Euch vor, so ähnlich wie die ICE in den USA es gemacht hat in jüngster Zeit, nur viel schlimmer.
Die Nazis kamen irgendwo hin und kidnappten wahllos hunderttausende
Frauen, Männer, Jugendliche, um sie sofort nach Deutschland zu entführen.
Die in der Heimat verbliebenen Angehörigen bekamen keine Informationen.
Die Menschen, die entführt wurden, hatten noch nicht einmal Zeit und Gelegenheit, sich von ihren Liebsten zu verabschieden.
Viele wurden nie mehr gesehen. Viele sahen ihre Heimat nie mehr.
Sie VERSCHWANDEN einfach!
Viele von diesen zu „Zwangsarbeit“ eingesetzten Menschen wurden gut behandelt, gut untergebracht und so gut es im Krieg ging, medizinisch und essensmäßig relativ gut versorgt, so wie die Bevölkerung auch
So sehr viele aber nicht. D.h. sie wurden schlimmer untergebracht wie Vieh, wurden geschlagen und gequält, bekamen kaum etwas zu essen, hatten keine medizinische Betreuung, und mussten dafür dann auch noch unglaublich hart und lange arbeiten. Jeden Tag! Sie wurden aus Spaß der sadistischen Nazi-Psychopathen zum Qual-Objekt. Natürlich bestrafte man sie hart, wenn sie Dinge gestohlen hatten oder man sie dessen verdächtigte, und wieder hatten auch die kleinsten sadistischen Dorf-Nazis die Gelegenheit, ihren Frust an diesen armen Zwangsarbeitern auszulassen.
Sehr viele Menschen verliebten sich nicht nur in ihresgleichen, also z.B. in Polen oder Russen, sondern auch in Deutsche, was durch das Gesetz der Rassenschande strengstens verboten war. Dies bedeutete für die ausländischen Männer fast immer, von den Nazis zur Strafe ermordet zu werden.
Viele Frauen waren bereits schwanger, als sie aus ihrer Heimat entführt wurden. Viele wurden schwanger während der Zeit in Deutschland. Ob durch deutsche Männer, aus Liebesverhältnissen mit Menschen aus ihren Heimatländern oder auch mit mitfühlenden anderen Nationalitäten.
Ich weiß nicht, ab wann in Müllheim und Umgebung wie viele Menschen Zwangsarbeit verrichteten. Es gibt hierüber weder Zahlen noch Namen. Obwohl die Nazis über so viele Sachverhalte genauestens Buch geführt hatten.
Viele dieser Menschen starben, verreckten, viele Kinder von diesen Menschen ebenso.
Keine Namen, keine Daten.
Als ob sie NIE gelebt hätten!
Als dann am Ende des Krieges die französischen Besatzer nach Müllheim kamen, fingen sie an, die Todesfälle der Kinder zu dokumentieren.
So haben wir also einige Namen, Altersangaben und Todesursachen, die uns als Grundlage zur Erinnerung zur Verfügung stehen.
Diese Namen und Daten hatte der Friedensrat gesucht und gefunden.
Die Müllheimer Behörden hatten die Öffenlichkeit nie hierüber informiert!
Was mit den Eltern dieser Kinder geschah, was mit diesen ´zig oder hunderten oder deutschlandweit tausenden oder hunderttausenden von Kindern geschah, während des Nazireichs, das wird wohl für immer unbekannt bleiben.
Keine Namen, keine Daten.
Als ob sie NIE gelebt hätten!
Deswegen erinnern wir mit unserer Aktion „Niezapominajka“, das auf polnisch der Name für Vergissmeinnicht ist, an alle diese Menschen.
Diese Kinder hier, deren Namen auf diesen großen Steinplatten stehen, starben an Mangelernährung ihrer Mütter und für sie selbst. An Schwäche, Lungenentzündungen, an den Folgen der beabsichtigen Unterversorgung kleiner Kinder durch die Nazis.
Vor 81 Jahren war der Krieg zu Ende.
Hätten sie nicht als Zwangsarbeiterkinder leben und sterben müssen, wären sie, würden sie noch leben, heute alte Menschen.
Das einzige, was unsere Pflicht, unser Erbe als Nachfahren dieser unglaublich schrecklichen Nazizeit und ihrer Gefolgsleute, ist:
diese unfassbar schlimmen Taten der Nazis eben niemals zu vergessen!
Und anderen Nationalitäten, welche auch immer, als Menschen gegenüberzutreten und sie nicht zu verurteilen, weil sie Polen, Russen, Palästinenser, Sinti oder Roma, Syrer oder Afrikaner sind, oder ob sie Moslems oder jüdischen Glaubens sind..
sie ALLE wie Menschen zu behandeln.
Weil es alle MENSCHEN sind!!!
Wir treten ein für eine bessere Welt in Frieden und ohne Hass und Rassismus, ohne rechte und faschistische Hetze.
Die Würde jedes Menschen ist unantastbar.
Dies zu bewahren und zu leben, versprechen wir jedes Jahr am 8. Mai,
hier an den „Gräbern“ der Kinder polnischer und tschechischer Zwangsarbeitermenschen.
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