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Kriege: Fern & doch so nah

DIE OBEREN SAGEN: FRIEDE UND KRIEG
Sind aus verschiedenem Stoff.
Aber ihr Friede und ihr Krieg
Sind wie Wind und Sturm.

Der Krieg wächst aus ihrem Frieden
Wie der Sohn aus der Mutter
Er trägt
Ihre schrecklichen Züge.

Ihr Krieg tötet
Was ihr Friede
Übriggelassen hat.

WENN DIE OBEREN VON FRIEDEN REDEN
Weiß das gemeine Volk,
dass es Krieg gibt.

                                                   Bertold Brecht


Unsere ►Antwort an den Bundespräsidenten, der Kriege befürwortet

Boris Vian

Der Deserteur
(Deutsch von Leobald Loewe)


Verehrter Präsident
vielleicht seid Ihr in Eile
doch leset diese Zeile
mit der mein Brief beginnt

Man hat mir heut gebracht
die Militärpapiere
dass in den Krieg marschiere
ich noch vor Mittwoch Nacht

Herr Präsident, ich bin
gewiss kein Mensch geworden
um Menschen zu ermorden
das macht doch keinen Sinn

Ich will euch nicht empören
wenn ich ganz offen sage:
Der Krieg kommt nicht in Frage
ich werde desertier'n!

All' meine Brüder sind
gerannt in ihr Verderben
ich sah den Vater sterben
es weinte auch mein Kind

Die Mutter trug so schwer
sie istvon  ihren Sorgen
im Krieg verrückt geworden
sie leidet nun nicht mehr

Als ich gefangen war
sind sie ins Haus gekommen
und haben mir genommen
die meine Liebe war

Wenn früh die Hähne krähn
will ich mein Bündel schnüren
ein neues Leben führen
und auf die Straße geh'n
   
Dann zieh' ich ohne Ruh'
vom Norden in den Osten
vom Süden in den Westen
und schrei den Leuten zu:

" Verweigert den Befehl
  kämpft nicht in ihren Kriegen
  glaubt niemals ihren Lügen
  der Frieden wär' ihr Ziel! "

Ihr schwört im Parlament
man müsse Blut vergießen
so lasst das Eure fließen
verehrter Präsident

Jagt Eure Polizei
mir nach, so lasst sie grüßen
sie könne auf mich schießen
weil ich gefährlich sei!

 

►Die deutsche Liedversion

Boris Vian "Le Déserteur"                    (Text Boris Vian, Musik Harold Berg)

 

Monsieur le Président                             je vous fais une lettre
Que vous lirez peut-être
Si vous avez le temps

Je viens de recevoir
Mes papiers militaires
Pour partir à la guerre
Avant mercredi soir

Monsieur le Président
je ne veux pas la faire
je ne suis pas sur terre
Pour tuer des pauvres gens

C’est pas pour vous fâcher
Il faut que je vous dise
Ma décision est prise
je m’en vais déserter

Depuis que je suis né
J’ai vu mourir mon père
J’ai vu partir mes frères
Et pleurer mes enfants

Ma mère a tant souffert
Qu’elle est dedans sa tombe
Et se moque des bombes
Et se moque des vers

Quand j’étais prisonnier
On m’a volé ma femme
On m’a volé mon âme
Et tout mon cher passé

Demain de bon matin
Je fermerai ma porte
Au nez des années mortes
J’irai sur les chemins

Je mendierai ma vie                             Sur les routes de France
De Bretagne en Provence
Et je dirai aux gens
Refusez d’obéir

Refusez de la faire
N’allez pas à la guerre
Refusez de partir

S’il faut donner son sang
Allez donner le vôtre
Vous êtes bon apôtre
Monsieur le Président

Si vous me poursuivez
Prévenez vos gendarmes
Que je n’aurai pas d’armes
Et qu’ils pourront tirer.


Boris Vian (1920 - 1959)

 

 

►Die französische Liedversion gesungen von Reinhard Mey findet sich hier

 



 

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