Auschwitz Gedenken 2026 in Müllheim
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Auschwitz Gedenken im Markgräflerland Anlässlich des 81.Jahrestages der Befreiung des Nazi-Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee am 27. Januar 1945 hatte der Friedensrat Markgräflerland zu einer Gedenkveranstaltung auf dem Gelände vor dem Jüdischen Friedhof in Müllheim eingeladen. Uli Rodewald vom Friedensrat erinnerte daran, dass Opfer der Nazis vor allem, aber nicht nur, jüdische Menschen waren. Verfolgt wurden Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Jeder und jede, die sich der faschistischen Ideologie entgegenstellte oder ihr nicht genehm war. Verfolgt wurden Sinti und Roma. Verfolgt wurden homosexuelle Menschen. Verfolgt und ermordet wurden Menschen, deren Leben von den Nazis als "unwert" betrachet wurden. Rodewald betonte, wie bedeutsam gerade gegenwärtig ein konsequentes Auftreten eines jeden Einzelnen gegen rechts sei. Wie brüchig das Versprechen mancher Politiker sei, sich gegen das Erstarken rechter Kräfte zu stellen, zeige sich gegenwärtig immer deutlicher. "Wer Ton und Inhalt der Rechtsextremisten übernimmt, lenkt die Leute nur dorthin," führte Rodewald aus. |
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Rede Uli Rodewald, Friedensrat Markgräflerland, auf der Veranstaltung des Friedensrats anlässlich des 81. Jahrestags der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 25. Januar 2026 vor dem Jüdischen Friedhof in Müllheim Liebe Freundinnen und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren, wir sind heute hier zusammengekommen, um zum 81. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz der Opfer zu gedenken und darüber ins Gespräch zu kommen, was wir heute tun können gegen Rechts, gegen alte und neue Nazis, für eine menschenfreundliche Politik. Die deutschen Besatzer benannten die 14.000-Einwohner-Stadt Oświęcim in »Auschwitz« um, vertrieben die polnische Bevölkerung und verbrachten die jüdische in Ghettos. Die Nazis internierten dort zuerst Tausende polnische Menschen, die im annektierten Gebiet aus politischen Gründen festgenommen worden waren. Die SS hatte dazu die Mannschafts- und Stallgebäude einer ehemaligen polnischen Kaserne in ein KZ umfunktioniert. Am 27.01.1945 befreiten sowjetische Soldaten das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Damit endete dort eines der schlimmsten Kapitel des beispiellosen Menschheitsverbrechens durch die Nazis. Seitdem steht "Auschwitz" für millionenfachen Mord, begründet mit einer menschenverachtenden Ideologie. Im Herbst 1941 kam es zur ersten Morden durch Giftgas. Insgesamt wurden in Auschwitz etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet: rund 1 Million Jüdinnen und Juden, ca. 21.000 Roma und Sinti, 15.000 sowjetische Kriegsgefangene und mehr als 80.000 aus politischen und anderen Gründen nach Auschwitz Deportierte. Opfer der Nazis waren vor allem, aber nicht nur jüdische Menschen. Verfolgt wurden Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Jeder und jede, die sich der faschistischen ideologie entgegenstellte oder ihr nicht genehm war. Verfolgt wurden Sinti und Roma. Verfolgt wurden homosexuelle Menschen. Verfolgt und ermordet wurden Menschen, deren Leben von den Nazis als "unwert" betrachet wurden. Sie wurden Opfer der Nazis, weil es in der Weimarer Republik zu wenige gab, die sich den Nazis entgegenstellten: ": "Die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später war es zu spät. Man darf nicht warten, bis der Freiheitskampf Landesverrat genannt wird. Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden ist. Man muss den rollenden Schneeball zertreten. Die Lawine hält keiner mehr auf ...". (Erich Kästner) Wie schnell aus einem vermeintlich kleinen Schneeball eine riesige Lawine wird, können wir gegenwärtig beobachten. Wer von den Opfern spricht, darf von den Tätern nicht schweigen. Den Nazis wurde zur Macht verholfen, weil die Oberen in Deutschland meinten, nur so ihre Macht erhalten zu können. Auschwitz steht auch für ein besonders verwerfliches Zusammenspiel zwischen der deutschen Industrie und dem nationalsozialistischen Staat. Wirtschaftliche Interessen und völkischer Vernichtungswille gingen im System der Zwangsarbeit eine Symbiose ein, die im eigens zu diesem Zweck geschaffenen Konzentrationslager Auschwitz-Monowitz ihren Gipfelpunkt fand. Hier errichtete der führende Chemiekonzern I.G. Farben eine gigantische Produktionsanlage, die von Zwangsarbeiter*innen des KZ gebaut werden musste. Der 27. Januar ist der Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, aller Opfer. Für die jüdiscen Menschen aus Müllheim und Badenweiler, die von den Nazis ermordet wurden, haben wir die Fahnen mit dem gelben Stern aufgehängt. Stellvertretend für die Kinder, die von den Nazis ermordet worden haben wir die Kinder von Izieu benannt, die noch im Frühjahr 1944 in den Gaskammern von Auschwitz umgebracht wurden Wir vom Friedensrat möchten anlässlich des heutigen Datums auch auf Opfergruppen aufmerksam machen, derer bislang kaum gedacht wird. In diesem Jahr wollen wir insbesondere auf die Ermordung von Sinti und Roma durch die Nazis aufmerksam machen. Denn: „Der Völkermord an den Sinti und Roma ist mit dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz, mit dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden, wie der an den Juden“, sagte 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Die Nazi-Deutschen betrachteten Sinti und Roma (Zigeuner, wie sie in offiziellen deutschen Dokumenten der Zeit genannt wurden) als Feinde des Dritten Reiches und verurteilten sie deshalb zu Isolation und Vernichtung. Wir wollen heute auch erinnern an den erbitterten Widerstand von Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau am 16. Mai 1944. An diesem Tag sollte der Lagerabschnitt B IIe, das sogenannte „Zigeunerlager“, indem tausende von Sinti und Roma inhaftiert waren, aufgelöst und sämtliche Häftlinge in den Gaskammern ermordet werden.Wegen des mutigen Widerstands der Sinti und Roma musste die SS die Aktion abbrechen, um zu verhindern, dass der Aufstand auf andere Lagerabschnitte übergreifen konnte. Nach dem erbitterten Widerstand der Sinti und Roma deportierte die SS die arbeitsfähigen jungen Männer in andere Konzentrationslager. In der Nacht vom 2. zum 3. August 1944 wurden die letzten 4.300 Sinti und Roma, Frauen, Kinder und ältere Menschen, die sich noch im Lager befanden, in den Gaskammern ermordet. Darunter auch Menschen, die sich sporadisch in Müllheim aufhielten. Sinti, Roma und Jenische waren schon im Kaiserreich und in der Weimarer Republik mit diskriminierenden Auflagen verbundenen Registrierungen und repressiven Überwachungen unterworfen. Offiziell galten diese staatlichen Erfassungsmaßnahmen gegenüber den mit vielfältigen Vorurteilen behafteten "Landfahrern" einer vorbeugenden Kriminalitätsbekämpfung. Im Stadtarchiv Müllheim und im Staatsarchiv Freiburg sind Akten zu finden, die über diese Erfassungsmassnahmen hier bei uns Aufschluss geben. Soweit es uns möglich war, haben wir die Namen dieser Menschen aus diesen Unterlagen erfasst und sind ihrem Schicksal in der Nazi-Zeit nachgegangen. Und wir haben versucht herauszufinden, welches Schicksal diese Menschen in der Zeit der Nazi-Herrschaft erfuhren. Ihrem Gedenken sind die Fahnen gewidmet, die wir mit ihnen Lebensdaten versehen haben. Zu finden ist dort auch eine Schilderung des Schicksals von Roma und Sinti unter der Nazi-Herrschaft. Ereignisse und Erfahrungen aus der Vergangenheit - auch und gerade die aus der Nazi-Zeit - prägen und beeinflussen uns auch heute. „Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen.“ „1933 wäre verhindert worden, wenn alle Gegner der Nazis ihren Streit untereinanander zurückgestellt und gemeinsam gehnadelt hätten. Dass dieses gemeinsame Handeln nicht zustande kam, dafür gab es für die Hitlergegner in der Generation meiner Eltern nur eine Entschuldigung: Sie hatten keine Erfahrung, was Faschismus bedeutet, wenn er einmal an der Macht ist. Aber heute haben wir diese Erfahrung … Für alle zukünftigen Generationen gibt es keine Entschuldigung mehr, wenn sie den Faschismus nicht verhindern.“ (Peter Gingold, Antifaschist und Widerstandskämpfer). Auch im Markgäflerlland sind leider Nazi Schmierereien zu sehen. Hakenkreuze werden aufgesprüht, die nationalistische Forderung " Deutschland den Deutschen" ist zu lesen sowie die Aufforderung "Fck Antifa" und "Love AfD. So was kommt nicht über Nacht. Das wächst in den Köpfen, und dies ist etwas, was jeder von uns tun kann: Nicht gleichgültig an den Nazi Parolen vorbeigehen, sondern sie bei den Behörden melden ( oder dem Friedensrat). Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda. Es ist so oft beschrieben worden, dass es wehtut, es zu wiederholen: Wer Ton und Inhalt der Extremisten übernimmt, lenkt die Leute nur dorthin. Die CDU formuliert inzwischen eine Politik, die sich kaum noch unterscheidet der rechten Demokratie - und Menschlichkeitsverächter. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte bei einem Auftritt im Landkreis Paderborn zur AfD: „Das Nazi-Bashing gegen die (AfD) und das Brandmauergerede müssen aufhören. Diese Partei steht auf dem Wahlzettel. Ja, da sind auch Rassisten dabei, aber sie werden durch Nazi-Vergleiche und Brandmauergerede nur noch bedeutender.“ Auf uns, denen Demokratie und Menschlichkeit nicht gleichgfültig ist, kommt es an. Jede und jeder von uns kann etwas tun gegen rechts, gegen die wachsende Menschenfeindlichkeit in unserem Land. Denn dies bedeutet rechts: Menschenfeindlichkeit im Gewande des Nationalen oder Patriotischen. Setzen wir ihnen unseren Einsatz für Menschlichkeit entgegen. Konsequent. Jeden Tag. Was hättest du getan - heisst heute: Was tust du! Am 8. März 2026 wird in Baden-Württemberg ein neuer Landtag gewählt. Sorgen wir mit unserem Einsatz unter Verwandten, Bekannten und Kollegen dafür, dass viele von ihnen nicht die neuen Nazis wählen und diese nicht die Stärke erreichen, die sie sich erhoffen. Ergebnis der AfD bei den Bundesrtagswahlen 2025 in BW: 19,8% Und vergesssen wir nicht die Worte von (Esther Bejarano, KZ-Überlebende): "Wer gegen Nazis kämpft, der kann sich auf den Staat nicht verlassen". Auf uns kommt es an. Für Menschlichkeit und Frieden! Nie wieder Faschismus! |
