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Die Kinder von Izieu

 

► Hier ist das Lied von Reinhard Mey zu hören

 
Ab und zu sind wir auf Tour. Wir spüren Vergangenem nach und spüren Neues auf.
Manches (Gedachte) wird durch das Erlebte verständlicher.
Neue Ideen werden geboren. Und uns wird - gerade nach den letzten Bundestagswahlen mit dem Einzug der AfD, die den antifaschistischen Konsens der Bundesrepublik aufkündigt  - noch klarer:

Erinnern heißt: HANDELN GEGEN RECHTS!!!!!!!!!!!!

Izieu - ein kleines Bauerndorf im Südosten des Departements Ain über dem Rhone-Tal, 200 Einwohner/innen, mit verstreuten Höfen. Von hier hat man einen wunderschönen Blick auf die Chartreuse und den nördlichen Vercors.

1944 gehört das Dorf zur italienischen Besatzungszone und ist zeitweise vor der antisemitischen Verfolgung geschützt.

in einem Heim kamen jüdische Kinder  unter.

 



 

 

 

 

Kinderheim 'Maison d'Izieu'


Die Einrichtung der Kinderkolonie erfolgt auf legalem Wege mit der Unterstützung der Unterpräfektur von Belley. Die Kolonie ist somit weder ein Geheimnis noch illegal. Nach und nach organisiert sich das Leben der Koloniemitglieder, die sich in diesem ländlichen Umfeld bald eingelebt haben. Es werden Beziehungen zu den Dorfbewohnern und den Behörden vor Ort geknüpft.

Die meisten Kinder und Jugendlichen waren mit ihren Eltern aus Deutschland, Österreich oder Osteuropa vor den Nazis geflüchtet, viele waren in Lagern interniert gewesen. Die Kinderhilfsorganisation OSE hatte viele aus den Lagern holen und in Heimen in der - damals unbesetzten – Südzone unterbringen können

Nach dem deutschen Einmarsch in Südfrankreich im November 1942 wurden die Bedingungen schwieriger, die Kinder mussten anderswo in Sicherheit gebracht werden. Das Ehepaar Zlatin fand in Izieu in der – damals italienisch besetzten Zone – geeignete Räume und leitete mit Genehmigung des Unterpräfekten Pierre-Marcel Wiltzer das Heim. Zwischen Mai 1943 und April 1944  haben 105 Kinder einige Zeit in dem Heim mit Unterricht, Spielen, Wohnen etc. verbracht.  

Die Kinder von Izieu

 

Die Kinder von Izieu

Die Kinder von Izieu

 

Miron und Sabine Zlatin, die das Heim einrichteten
Die Razzia

Am Donnerstag, den 6. April 1944 ist der erste Ferientag der Osterferien, die dieses Jahr ausgesprochen kurz ausfallen. Sie gehen am Dienstag, den 10. April schon wieder zu Ende.

Am Vortag ist die Lehrerin Gabrielle Perrier (Tardy, Name ihres Ehemanns) für ein paar Tage in ihre Familie zurückgekehrt, nachdem sie bereits Vorbereitungen für den Schulanfang getroffen hat.
Am Morgen kehren die Jugendlichen, die in Belley zur Schule gehen, nach Izieu zurück, in Begleitung von Léon Reifman, der das Osterfest mit seiner Schwester, Betreuerin in der Kinderkolonie und seinen Eltern verbringen möchte. Fritz Loebman, der auf dem Bauernhof von Lucien Bourdon in Brens arbeitet, ist auch bereits in die Kinderkolonie zurückgekehrt.
 Klassenzimmer in Izieu
 Eines der Schlafzimmer der Kinder in Izieu Während die Kinder gerade dabei sind ihr Frühstück einzunehmen, erscheinen vor der Kinderkolonie ein Wehrmachtskommando in zwei Lastwagen, die in Belley beschlagnahmt worden sind und ein Wagen der Gestapo von Lyon, auf Befehl von Klaus Barbie. Die fünfundvierzig Kinder und die sieben Erwachsenen, die sich um die Kinder kümmern, werden brutal verhaftet. Nur Léon Reifman gelingt es, zu flüchten, indem er aus dem Fenster springt. Die benachbarte Bauernfamilie Perticoz hilft ihm anschließend, sich zu verstecken.
Eusèbe Perticoz ist zu Hause und wird von den deutschen Soldaten daran gehindert, das Haus zu verlassen. Sein Arbeiter, Julien Favet, wohnt der Verhaftung machtlos bei. Die Kinder und die Erwachsenen werden in die Lastwagen geworfen.
   „[…] Und als ich die Lastwagen sah, hat mich […] eine Sache erschüttert. […] Die Älteren, die, die 10 bis 12Jahre alt waren, versuchten von der Ladefläche des Lastwagens runterzuspringen, und sofort wurden sie von zwei Deutschen wieder zurückbefördert. Die packten sie und warfen sie wieder hinauf, wie Kartoffelsäcke, wie gewöhnliche Säcke […] Als sie wieder drin waren, empfang sie ein anderer mit Fußtritten […] Ich habe Herrn Zlatin, den Heimleiter gesehen, wie er von der Bank des Lastwagens aufgestanden ist und meinem Chef, der in seiner Tür stand, zugeschrien hat: “Herr Perticoz, verlassen Sie nicht das Haus, bleiben Sie ja wo sie sind !” Und da hat ihm ein deutscher Soldat mit aller Wucht sein Maschinengewehr in den Bauch gerammt und ihm heftig gegen das Schienbein getreten. Der Stoß mit dem Gewehr hat ihn zu Boden geworfen, er musste sich in den Lastwagen legen und dann habe ich ihn nicht mehr gesehen.“
Zeugenaussage von Julien Favet beim Prozess von Klaus Barbie, bei der Anhörung vom 27. Mai 1987
 

Am 6. April 1944 unterzeichnet Klaus Barbie, Leiter der Gestapo von Lyon, ein Fernschreiben über die Verhaftung und die Deportation nach Drancy von 44 jüdischen Kindern und 7 Erwachsenen

  Bei der Razzia in der Kolonie Izieu, werden 44 Kinder (im Alter von 5 bis 17 Jahren) und 7 Erwachsene jüdischer Abstammung verhaftet und anschließend deportiert.
Miron Zlatin und 2 Jugendliche werden in Reval (heute Tallin) in
Estland erschossen.
42 Kinder und 5 Erwachsene werden in Auschwitz-Birkenau ermordet.
Léa Feldblum, die Betreuerin, überlebt als Einzige.
   
 

Reinhard Mey

Die Kinder von Izieu

   
 

Sie war‘n voller Neugier, sie war‘n voller Leben,
Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie war‘n genau wie ihr, sie war‘n wie alle Kinder eben
Im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.
Auf der Flucht vor den Deutschen zusammengetrieben,
Und hinter jedem Namen steht bitteres Leid,
Alle sind ganz allein auf der Welt geblieben,
Aneinandergelehnt in dieser Mörderzeit.
Im Jahr vierundvierzig, der Zeit der fleiß‘gen Schergen,
Der Spitzel und Häscher zur Menschenjagd bestellt.
Hier wird sie keiner suchen, hier oben in den Bergen,
Die Kinder von Izieu, hier am Ende der Welt.

 

   

 

Joseph, der kann malen: Landschaften mit Pferden,
Théodore, der den Hühnern und Küh‘n das Futter bringt,
Liliane, die so schön schreibt, sie soll einmal Dichterin werden,
Der kleine Raoul, der den lieben langen Tag über singt.
Und Elie, Sami, Max und Sarah, wie sie alle heißen:
Jedes hat sein Talent, seine Gabe, seinen Part.
Jedes ist ein Geschenk, und keines wird man denen entreißen,
Die sie hüten und lieben, ein jedes auf seine Art.
Doch es schwebt über jedem Spiel längst eine böse Ahnung,
Die Angst vor Entdeckung über jedem neuen Tag,
Und hinter jedem Lachen klingt schon die dunkle Mahnung,
Daß jedes Auto, das kommt, das Verhängnis bringen mag.

 

 

   

 

 

Am Morgen des Gründonnerstag sind sie gekommen,
Soldaten in langen Mänteln und Männer in Zivil.
Ein Sonnentag, sie haben alle, alle mitgenommen,
Auf Lastwagen gestoßen und sie nannten kein Ziel.
Manche fingen in ihrer Verzweiflung an zu singen,
Manche haben gebetet, wieder andre blieben stumm.
Manche haben geweint und alle, alle gingen
Den gleichen Weg in ihr Martyrium.
Die Chronik zeigt genau die Listen der Namen,
Die Nummer des Waggons und an welchem Zug er hing.
Die Nummer des Transports mit dem sie ins Lager kamen,
Die Chronik zeigt, daß keines den Mördern entging.

 

   

 

 

Heute hör‘ ich, wir soll‘n das in die Geschichte einreihen,
Und es muß doch auch mal Schluß sein, endlich, nach all den Jahr‘n.
Ich rede und ich singe und wenn es sein muß, werd‘ ich schreien,
Damit unsre Kinder erfahren, wer sie war‘n:
Der Älteste war siebzehn, der Jüngste grad vier Jahre,
Von der Rampe in Birkenau in die Gaskammern geführt.
Ich werd‘ sie mein Leben lang sehn und bewahre
Ihre Namen in meiner Seele eingraviert.
Sie war‘n voller Neugier, sie war‘n voller Leben,
Die Kinder, und sie waren vierundvierzig an der Zahl.
Sie war‘n genau wie ihr, sie war‘n wie alle Kinder eben
Im Haus in Izieu hoch überm Rhonetal.

 

 

 

   

 

   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
 Die Betreuer:  
   
 

 

Für eine menschliche Welt in Frieden!

Entschieden gegen rechts!

Mehr Information über die Kinder von Izieu, die von deutschen Nazis ermordet wurden:

► Erinnerungsstätte in Izieu

► Gedenkorte Europa - Izieu

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