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Menschenunterkunft Gewerbepark

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte - UNO 1948

Artikel 1
Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren.
Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen
.

 

Was sich schon seit Langem ankündigte, jetzt äussert es sich:

►Probleme der Menschen, die im Gewerbepark Eschbach "untergebracht" wurden

 

► So äußern sich Bürgermeister aus den betroffenen Gemeinden zu den Zuständen in der menschenunwürdigen Unterkunft im Gewerbepark Breisgau

 Sonntagnachmittag im Markgräflerland

Heute ist Sonntag. Wir müssen nicht arbeiten gehen.
Dafür wollen wir, zwei Mitarbeiter im Friedensrat Markgräflerland, in den Gewerbepark Breisgau fahren und uns ein Bild machen, wie die Flüchtlinge dort leben.Wir fahren quer durch den Gewerbepark, nirgendwo ein Hinweisschild.

Irgendwann finden wir es, das Container-Lager:
 
Am Ende der kleinen Straße hört der Weg auf, Split.
Die Container stehen am Straßenrand, es sieht alles nach Baustelle aus. Am Containergebäude ein Graben, der mit einem Bauzaun umgeben ist. Ebenso stehen Bauzäune aus Metall um diesen kleinen dreistöckigen Containerbau herum.
Die Bewohner haben hier Wäsche zum Trocknen aufgehängt!!
Vereinzelt steht Spielzeug am Straßenrand, ein paar Kinder spielen hier.
Ein paar Männer stehen vor dem Eingang des Containers und rauchen.
Mir drückt es den Hals zu. Auf den ersten Blick sieht es hier aus, wie in Gaza. Wie trostlos! und das mitten in Deutschland. Diese Menschen sind ins nowhere an den Rand unserer so schönen zivilisierten Welt geschoben... Mir kommen die Tränen.
Wir parken das Auto am Straßenrand und laufen zu den Männern hinüber. Ich gebe einem die Hand, stelle mich vor  und frage, ob er deutsch spricht. Die beiden sehen aus, als kämen sie aus Osteuropa. Der Angesprochene sagt ja, hebt die Hand und geht ins Innere des Containers. Kurz darauf kommt ein Security Mensch heraus. Sieht nicht gerade freundlich aus. ist auch nicht besonders freundlich. Gibt uns aber Auskunft. Wir dürfen nicht ins Innere hinein, aber drumrumlaufen dürfen wir. Ja, hier kommen noch andere Container hin.
 
Und da hinten, am Ende des Weges, stehen noch andere Container.
Wir verabschieden uns und schlagen diesen anderen Weg ein. Es geht durch eine verwilderte Gegend, links Baustelle, rechts dem Verfall ausgelieferte Gebäude...
Irgendwann bald stehen wir dann vor dem Gelände. Ein hoher Zaun, geöffnet, dahinter sitzen oder stehen Flüchtlinge, unterhalten sich, schauen auf ihre handy displays, schauen kurz auf, nicken uns zu und versenken dann wieder den Blick auf ihre handys...
Eine ortsansässige Frau kommt gerade aus dem Gelände heraus. Wir reden kurz mit ihr. Sie empfiehlt uns, mit XX zu sprechen. Diese sei im Büro.
Also betreten wir das Gelände, in Richtung Büro. Dieses Büro ist ein recht unordentlicher Raum, aus dem eine Schweizer Dialekt sprechende Frau herauskommt.
Ja, sie sei von dieser Schweizer Betreiberfirma.
Ja, sie würden hier den Flüchtlingen Spiele ausleihen.
Genauso wie Bügeleisen. Weil, es könne ja nicht angehen, dass sie für jeden Flüchtling ein eigenes Bügeleisen hätte. Die Flüchtlinge tauschen im Gegenzug zu ihrer Lager-Identitätskarte (wir sehen später bei der kleinen Führung, die sie uns gibt, überall auf dem Gelände Schilder, auf denen steht, dass diese Identitätskarten 2 € kosten) Spiele oder Bügeleisen...
Auf meine Frage hin, ob es hier Sozialarbeiter gibt, sagt sie nein. Es gibt auch keine Rundum-Betreuung hier.
Und, solange es keinen Arzt hier gäbe, würde sie sich auch hierum kümmern. Sie habe in der Schweiz eine XX Ausbildung gemacht, im OP, und nun würde sie dies auch so lange machen, bis man einen Arzt fände.
Sie könne uns gerne kurz hier durch führen, es sei ja eh nichts los hier.
Sie selbst bleibt noch 10 Tage hier im Lager, dann geht sie wieder heim. Denn schließlich habe sie eine Familie und nichts wäre für sie wichtiger als ihre Familie.
 
Die Schweizer Betreiberfirma würde sich auch in Zukunft  um das Lager kümmern, aber so bald wie möglich gäbe es hier deutsches Personal.
 
Sie schließt das "Büro" ab, und läuft vor uns, marschiert o-beinig und wichtig wie ein Sheriff.
Eine zu stille Atmosphäre ist hier. Überall stehen die Container herum, manchmal kommen Leute raus, manchmal winken sie heraus, lächeln.
 
Ja, Sicherheitsdienst sei hier nötig. In anderen Einrichtungen gäbe es auch Familien oder Frauen, aber hier seien nur Männer. Und da wäre es ja vollkommen klar, dass hier auch aufgepasst werden müsse....
Irgendwie macht diese Frau auf mich einen Eindruck wie eine Gefängnisaufseherin. Sie läuft wie ein Cowboy, eigentlich fehlt nur das Geklapper des Colts im Gürtel....
"Also hier, in der Halle da, stehen Tischtennisplatten. Da können sie Tischtennis spielen."
Wir schauen durch ein dreckiges Fenster. Eine kleine Fabrikhalle, außer einem dreckigen Boden auf dem in den Ecken Müll rumliegt, stehen Tischtennisplatten. Nicht besonders heimelig.
 
 
 "Ja, und hier können sie essen".
Ein einziges Waschbecken steht am Eingang. In der ebenso sehr unfreundlich wirkenden Halle mit Betonboden und ungeputzten Fenstern stehen vielleicht 10 Tische und einige Stühle dabei.
 
Die Frau ist "wichtig", eine freundliche Atmosphäre gibt es nicht. Es wirkt sehr kalt hier.
 
Am Ausgang treffen wir die einheimische Frau wieder, sie kommt mit einem gebrauchten Tisch-Spiel an und gibt es dieser Schweizer Frau. "Für die Flüchtlinge".
 
Mein Begleiter sagt, "das ist ja echt gruselig hier. Hier kann man sich ja nicht wohl fühlen".
Die Einheimische schaut auf und sagt: "naja, es fehlen noch ein paar Poster, dann wird’s viel schöner".
(Sprechen wir dieselbe Sprache???)
 
Am Tor stehen einige Flüchtlinge und reden mit Einheimischen. Also scheint es hier auch ein klein wenig Kontakt zur Bevölkerung zu geben.
 
 
 Leider viel zu weit ab von der Gemeinde. Wie soll hier Integration stattfinden?
In dieser gottverlassenen Gegend. Bauschutt, verlottertes Gelände. So wie es hier aussieht, spiegelt es für mich diese inneren Zustand: Trostlosigkeit, Verlassenheit....
Auf dem Weg zum Auto sehen wir zwei Fahrzeuge, aus denen Sachen für die Flüchtlinge ausgeladen werden. Auch hier gibt es wohl Kontakte zur Bevölkerung. Gut!
 
Am Auto angekommen sehen wir zwei junge Männer Fußball spielen miteinander. Einer hat einen Hut auf und macht einen auf "cool". Diese Szene könnte überall auf der Welt zu sehen sein.
 
Überall fliehen Menschen aus ihren Ländern. Sei es, dass sie auf ein besseres Leben hoffen, wie so viele bei uns auch. Oder weil in ihren Ländern Kriege sind, weil sie Gewalt entgehen wollen oder aus einem anderen Grunde nicht mehr in ihrer Heimat leben können.
Dann kommen sie endlich irgendwo an, zuerst einmal vorübergehend. Dieses Irgendwo ist hier.
Es gibt so manchen Menschen in unserer Gegend, der/die denkt, den Flüchtlingen wird alles auf dem „silbernen Tablett“ serviert.
Es soll sich jeder einmal so eine "Einrichtung" anschauen. Keine Rede von Wohlstand, keine Rede von ausreichender Versorgung, keine Rede von Überfluss.
 
 
 Diese Flüchtlinge hier sind  Menschen.
Menschen, die Gefühle haben, die eine Sehnsucht nach Sicherheit haben, nach Freundlichkeit und Frieden.
 
So wie es sich mir hier heute gezeigt hat, kann ich nur traurig und fassungslos folgende Worte finden:
entwürdigend, kalt, herzlos.
 
Ich schäme mich für diese Behandlung. Auch mit wenig Geld können Wärme und Solidarität vermittelt werden.
Wir können teilen. Wir können Mit-Fühlen. Wir können Menschen menschlich begegnen, weil wir Menschen sind.
Das sollten wir nicht vergessen.
 
 
 
 Das, was wir heute erlebt haben, lässt uns deutlich machen, warum wir das tun, was wir tun. Und wie wichtig es ist, dass wir das weiter machen.
Wir geben nicht auf. Und wir hoffen, dass immer mehr Menschen so ähnlich denken und fühlen wie wir!
Morgen ist ein neuer Tag, eine neue Woche.
Jeden Tag die Welt ein klein wenig menschlicher machen!
Ich wünsche mir, dass sich diese Situation für alle Flüchtlinge bei uns verbessern wird.
 
Flüchtlinge willkommen! Refugees Welcome!
 
Herzliche Grüße vom Friedensrat Markgräflerland
 

 

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