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Verfolgung der Arbeiterbewegung im Markgräflerland

 

Verfolgung der Arbeiterbewegung  im Markgräflerland

Sofort nach der Machtübertragung an die Nazis wurden demokratische Rechte ausser Kraft gesetzt. Die ►Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes vom 4. Februar 1933 schränkte die Versammlungs- und Pressefreiheit weitgehend ein und erteilte dem der NSDAP angehörenden Reichsinnenminister Wilhelm Frick weitreichende Vollmachten.
Die vom Reichspräsidenten Paul von Hindenburg erlassene und von Reichskanzler Hitler, Innenminister Frick und Justizminister Gürtner gegengezeichnete Notverordnung war als eine sogenannte „Schubladenverordnung“ bereits vom Kabinett Papen geplant worden und diente im beginnenden Wahlkampf (Reichstagswahl am 5. März 1933) der Bekämpfung der politischen Gegner der NSDAP. Sie wurde am 6. Februar 1933 im Reichsgesetzblatt verkündet und trat am 7. Februar 1933 in Kraft.

Politische Gegener wurden auch im Markgräflerland drangsaliert und verfolgt, besonders Mitglieder der SPD und der KPD.  Sogenannte " marxistische Verbände" wurden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt.

Unter der Überschrift „Politische Durchsuchungen“ meldet die Gendarmerie an das Bezirksamt Müllheim                      am 20.März 1933 :

„Auftragsgemäß wurden am 18. 3.33 im Laufe des Nachmittags und am 20.3.33 um 5 Uhr, in Müllheim, Neuenburg und Buggingen politische Durchsuchungen aufgrund der V.O.zum Schutz von Staat und Volk vom 28.II.33 überfallartig vorgenommen und erhebliches Material in kommunistischen und sozialdemokratischen Wohnungen vorgefunden.“

Gleichzeitig wird berichtet, dass bereits einige Tage früher in Buggingen, Seefelden, Niederweiler, Neuenburg und Müllheim Durchsuchungen bei Mitgliedern von KPD und SPD vorgenommen worden seien, bei denen erhebliche Mengen von Druckschriften und Flugblättern gefunden worden seien.

 

 


Weiter heisst es: “Bei der Durchsuchung in Müllheim am 18.3.33 wurden einige Tournister, grüne, der SPD gehörigen Parteihemden, mehrere Leib- und Schulterriemen, Brotbeutel, Kokarden, Wimpel, mehrere marxistische Abzeichen… vorgefunden. … Die Leute waren grösstenteils schon alle orientiert und auf Durchsuchungen gefasst…. In Müllheim bestand nur das Reichsbanner schwarz-rot-gold und wurde dieser Verband, wie mir der gewesene Führer, Professor Maier mitteilte, schon vor einigen Wochen aufgelöst.“

Waffenschein von Arthur Meyer                       Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold            

Gibt es noch weitere Unterlagen vom Reichsbanner im Markgräflerland?

► Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold , kurz Reichsbanner, war während der Weimarer Republik ein politischer Wehrverband zum Schutz der demokratischen Republik, der in veränderter Form bis heute besteht.
Der Verband wurde am 22. Februar 1924 in Magdeburg als Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Bund der republikanischen Kriegsteilnehmer durch die drei Parteien der Weimarer Koalition (SPD, Zentrum, DDP) gegründet.


„Die Durchsuchungen in Buggingen, Seefelden und Hügelheim erstreckten sich auf 10 Mitglieder der S.P.D. und der K.P.D. Es wurde Druckschriften, Zeitungen, Sowjetabzeichen, 5 Abzeichen von Maifeiern der S.P.D., 1 langer Walzenrevolver aus Militärbeständen herrührend ein kleiner Walzenrevolver und ein Dolch gefunden. Gegen diese Besitzer der Waffen wurde besondere Meldung an die Staatsanwaltschaft in Freiburg vorgelegt."


Weiter heißt es in dem Bericht:“ Die Durchsuchungen in Neuenburg erstreckte sich auf 13 Mitglieder der S.P.D und K.P.D. Es wurde eine Anzahl Druckschriften, Zeitungen, Sowjetabzeichen, eine Zeitschrift der rote Stern, ferner ein Flobertgewehr 6mm mit gezogenen Lauf, zwei defekte Walzenrevolver, ein Totschläger, ein kleiner Gummiknüppel und einige Parteiabzeichen vorgefunden.Gegen die Besitzer von Waffen und dergl. wurde Strafmeldung an die Staatsanwaltschaft Freiburg vorgelegt.“

Denunziation im Kalibergweg Buggingen

Im damaligen Kalibergwerk in Buggingen wurden trotz der massiven Einschüchterung S.P.D. Flugblätter verteilt. Eine Gruppe von Kaliarbeitern wurde von einem Nazi denunziert:


"Bericht des Gendarmeriebezirks Müllheim vom 4. April 1933 - Verbreitung von S.P.D Flugblättern


Am 30. März 1933 wurde vom Kaliarbeiter A() S() aus Buggingen der Gendarmerie ein Flugblatt übergeben das am gleichen Tag in mehreren Werkstätten des Kaliwerks verbreitet wurde.
Zugleich denunzierte er seine Kollegen indem er aussagte:“ Die Arbeiterschaft des Kaliwerks bestand bisher mit ganz wenigen Ausnahmen nur aus K.P.D und S.P.D. Mitgliedern. Erst in letzter Zeit ist es der N.S.D.A.P. gelungen auch hier eine Bresche zu schlagen. Ich kann sagen, dass heute bereits 80 Mann der Arbeiterschaft zu uns stehen. Ich habe verschieden Personen, welche unserer Bewegung angehören, beauftragt, auf die K.P.D. ein wachsames Auge zu haben. Nun brachte mir ein Arbeiter aus Heitersheim, ….., ein Flugblatt, welches er … vorgefunden hat. Die Arbeiter, welche in der Schlosserei arbeiten, sind alle von Heitersheim und können nur diese die Verbreiter des betr. Flugblattes gewesen sein. Der betr. Arbeiter, welcher mir das Flugblatt gab, weiss nicht, wer es verbreitet hat und soll sein Name nicht genannt werden. Der Grund ist dass, wenn die Belegschaft herausbekommt, wer diese Anzeigen der Gendarmerie übergibt, es dieser Arbeiter nicht mehr aushalten kann, er wird gedrückt, verspottet und sogar tätlich angegriffen.
Aus diesem Grund ist begreiflich, dass die betr. Arbeiter, welche mir sachdienliches Material beibringen, ihren Namen nicht genannt haben wollen.Ich selbst habe die feste Gewissheit, dass das Flugblatt seinen Ursprung in Heitersheim hat. Die Arbeiter, welche in jener Abteilung arbeiten, heißen:
Karl Bergmann, Adolf Hoppe alt, Adolf Hoppe jung, Herrmann Müller, Hermann Grabe, Robert Gothe, Thomas Gryska, alle in Heitersheim wohnhaft und Franz Buchalla in Grissheim wohnhaft.“
Soweit die protokollierten Aussagen des Denunizanten.


Die Polizei führte bei den beschuldigten Hausdurchsuchungen durch; dabei wurden:“bei Karl Bergmann verschiedene Druckschriften älteren Datums vorgefunden, bei dem Arbeiter Hermann Müller eine grüne A Sportbluse vom Reichsbanner. Bei Robert Gothe wurden vorgefunden:eine Standarte des Arb.R.B Solidarität mit Schärpen und Schleifen, 1 Leibriemen, eine Kartotheke des Vereins mit verschiedenen Mitgliedskarten, ferner 4 Saalfahrräder. Bei dem Bergmann Thomas Gryska, welcher Kassierer des betr. Vereins war, wurden gefunden: Eine grössere Menge Vereinsabzeichen des Radfahrerbundes Soilidarität , verschieden Druckschriften älteren Datums, sowie Satzungen und Mitgliedsbücher des betr. Vereins.“

Am 4. Juli fanden Durchsuchungen in Seefelden und Buggingen statt, da "schon wiederholt kommunistische Flugzettel gelegt wurden. ... Bei der  ... bei dem Bergmann Paul Seitz in Seefelden vorgenommenen Durchsuchung wurde festgestellt, dass Seitz im Besitz des Banners vom Rad- und Kraftfahrerbundes "Frischauf" war. Ausserdem war er noch im Besitz des Vereinsstempels und einem Vereinsabzeichen.."

 

 

Nebenstehende Liste enthält besonders starke Ortsgruppen der KPD und Angaben über die Stimmenzahl der KPD bei den Reichstagswahlen im November 1932

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