Rede Uli Rodewald - Ostermarsch 2026 in Müllheim
| Rede Uli Rodewald - Friedensrat Markgräflerland - auf dem Ostermarsch in Müllheim |
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wir vom Friedensrat Markgräflerland sprechen Ihnen Anerkennung und Dank aus, dass Sie mit uns dem Kriegsgetöse der Oberen in unserem Land widerstanden haben und widerstehen. Das ist angesichts der massiven Propaganda für die Militarisierung aller Bereiche der Gesellschaft kein leichtes Unterfangen. Statt friedensfähig sollen wir kriegstüchtig werden. Wir aber bleiben dabei: Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. Dafür ist es umso wichtiger, dass wir der Vernunft, dem Frieden und der Menschlichkeit gegen diesen ohrenbetäubenden Chor der Aufrüstungs- und Kriegsbefürworter Stimme verleihen. So wie wir dies heute tun. Die Bundesregierung setzt sich wie die Mehrzahl der Politiker in Deutschland für Kriege als Mittel ihrer Politik ein. Und sie meint, ein immer grösseres und grausameres Waffenarsenal sei besser geeignet zur Durchsetzung wirtschaftlicher/politischer/nationaler Interessen, als die Förderung diplomatischer Lösungen. Dabei wird immer wieder auf ein vorgebliches Dilemma verwiesen: Egal was Politiker auch immer zur Konfliktlösung täten, sie befänden sich in einer Zwangslage: Stimmten sie Waffenlieferungen in Konfliktgebiete zu, machten sie sich schuldig, da durch diese Waffenlieferungen Menschen getötet würden. Lieferten sie keine Waffen, machten sie sich auch schuldig, weil Menschen ohne Waffen schutzlos seien und getötet würden! Kriege kommen ja nicht aus einer schwarzen Wolke. Kriege werden von Menschen gemacht. Von Menschen, für die Kriege ein Geschäft sind. Eine solche vom Miltärisch-Industriellen-Komplex beeinflusste Politik kennt kein Dilemma. Für sie sind Kriege nicht notwendiges Übel, sondern unverzichtbarer Bestandteil. Diese Politik ist selbst gewalttätig. Einer solcher Politik wohnt der Krieg inne. In ein ethisches Dilemma in der Frage von Krieg und Frieden gerät nur der, der Krieg als mögliche Konfliktlösung schon ins Auge gefasst hat. Wer Kriege verhüten will und nicht in ein Dilemma geraten will, muss den Frieden vorbereiten. Wie Brunnen gesichert werden müssen, bevor Kinder in sie fallen, müssen und können Kriege verhindert werden, bevor sie ausbrechen. Sind die Kettenhunde des Krieges erst einmal losgelassen, ist es zu spät. Sicherheit ist nicht durch eine militärisches Gegeneinander zu erreichen, sondern nur durch ein Miteinander. So schwer das auch heute vorstellbar ist: Nur aus der Einsicht in den absoluten Vorrang der Friedensgewinnung und -bewahrung wächst längerfristig neues Vertrauen. Zukunftsfähig ist nur eine Politik, die sich modernen Konfliktlösungen zuwendet, die ohne Waffen und Gewalt und ohne wechselseitigem Töten auskommen. Diese Bundesregierung hat bisher den völkerrechtswidrigen Angriff Israels und der USA auf den Iran nicht verurteilt. Statt Waffenlieferungen und jegliche Unterstützung der Kriegsparteien zu unterlassen, dreht die Bundesregerung beim Waffenexport in einige Golfstaaten und in die Ukraine entscheidende Schleusen auf, vermeidet durch den Erlass einer Allgemeingenehmigung eine Debatte im Parlament und trägt zur weiteren Destabilisierung der Welt bei. Der Friedensrat hat sich am 2. März an den Bundeskanzler gewandt mit der Forderung, den Einfluss und das Gewicht Deutschlands geltend zu machen, um zur Beendigung des Krieges um den Iran beizutragen.. Anders als die spanische und andere Regierungen verhindert die deutsche Regierung nicht kriegerische Handlungen, die vom US Stützpunkt in Ramstein gegen den Iran gesteuert werden. Auch im Krieg um Gaza haben sich die Bundesregierungen zu den völkerrechtswidrigen Handeln der israelischen Regierung verschwiegen: Obwohl von Seiten dieser Regierung, wie auch ihrer Vorgänger, immer wieder die Bedeutung „regelbasierter Ordnung"und die Einhaltung des Völkerrechts betont wird: Wenn es es darauf ankommt, für das Völkerrecht einzutreten und ihm Geltung zu verschaffen, verschweigt sich die Regierung, wenn es nicht im Einklang mit ihren Interessen steht. Doch das Völkerrecht gilt entweder allgemein, oder gar nicht. Es duldet keinen Doppelstandard. Wir sehen: Es gibt für uns, die wir uns einsetzen für Frieden und Verständigung viel zu tun in unserem Land. Während Millionen von Menschen in den USA gegen die Politik der Trump-Regierung auf die Strasse gehen, meinen viele Menschen in Deutschland noch, sie könnten sich den Folgen einer Politik, die unter dem Vorwand von Sicherheit grenzenlos aufrüstet, entziehen. Eines macht dieser Aufrüstungskurs aber auch in aller Deutlichkeit klar: Woran es in unserem Land auch immer mangelt, es liegt nicht daran, dass "kein Geld" vorhanden ist. Alle Mittel, die für Krieg und Aufrüstung verschleudert werden, brauchen wir für Bildung, Kultur, Wohnen, den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen und ein menschenwürdiges Leben – hierzulande wie global. Müllheim ist einer der Stationierungsorte der Deutsch-Französischen Brigade. Ein militärischer Grossverband dazu bestimmt, Kriege in aller Welt zu führen. In deren Offizierscasino jüngst über "Deutschlands neue Führungsrolle in der Verteidigung des Westens", gesprochen wurde.“ Wir wollen nicht, dass hier und anderswo immer mehr Geld für Militär und Kriege ausgegeben wird: Deshalb demonstrieren wir am Ostermontag in Müllheim. Wir fordern: Abrüstung statt Aufrüstung Wenn es eine andere Zukunft als eine umfassende Zerstörung geben soll, dann müssen wir aus den bestehenden Logiken und überkommenen IrrRationalitäten aussteigen. Die Waffen müssen schweigen. Krieg bedeutet auch die Zerstörung unserer Seelen. Schützen wir uns davor. Auch indem wir der Kriegsrhetorik widerstehen. Wir freuen uns über das Engagement von 10 Tausenden junger Menschen gegen die Einführung der Wehrpflicht! Auch hier in Müllheim gab es Proteste gegen den geplanten Kriegsdienst. Wir freuen uns über den aufkeimenden Widerstand in den Betrieben gegen die Aufrüstungspolitik in unserem Land: „Nein zur Kriegswirtschaft – Wir geben unsere Kinder nicht für Kriege!“ heisst es in einer Erklärung des IG Metall Vertrauenskörper der Ford-Werke in Köln, der „mit großer Sorge auf die weltweite Aufrüstung und zunehmenden Kriege (schaut). In Deutschland werden bereits erste Werke zur Umstellung auf Rüstungsproduktion gesucht. Wer uns damit Arbeitsplätze verspricht, versucht auf üble Weise die Existenzängste der Belegschaften in der Autoindustrie ausnutzen. Aufrüstung sichert nicht den Frieden, sondern bereitet Kriege vor.“ Liebe Bürgerinnen und Bürger, viele von uns kennen dunkle Momente der Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Wir wissen, dass unter der Decke eines Krieges die Herren in Nadelstreifen hart am Wühlen sind. Was können wir tun? Wir können unser Gedächtnis schärfen, wir können aus unserer Geschichte lernen. Wir können weiter an der öffentlichen Meinung arbeiten, bis sie ein Ohren betäubendes Dröhnen wird. Wir können zivilen Ungehorsam in millionenfacher Weise wiederentdecken. Wir stehen nicht allein. Eine Andere Welt ist nicht nur möglich, sie ist unterwegs. |