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Julian Garlewicz

Julian Garlewicz: Eine Liebe in Niederweiler

Julian Garlewicz: Miłość w Niederweiler

Suchanzeige:

Geburtsurkunde von Julian Garlewicz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir, das sind Ulrich Rodewald und Anne-Katrin Vetter, arbeiten für den Friedensrat Markgräflerland in Südbaden ( www.friedensrat.org ).

Leider sprechen wir kein Polnisch, daher wenden wir uns auf Englisch und auf Deutsch an Sie.

Sie erhalten diese Nachricht, weil Sie den Namen Garlewicz tragen.

Wir sind auf der Suche nach Verwandten oder Bekannten von Julian Garlewicz,geboren am 16. Februar 1915 in Porabka/Bedzin, einem heutigen Stadtteil von Sosnowiec.


Julian Garlewicz wurde im September 1939 von den Nazis als Kriegsgefangener nach Deutschland verschleppt und mußte in Niederweiler bei Müllheim „Zwangsarbeit“ leisten.
Weil er sich in eine deutsche Frau verliebte, wurde Julian von der Gestapo verhaftet und am 13. November 1942 in Niederweiler ermordet.                                                         Weitere Informationen über Julian Garlewicz finden Sie hier:

http://www.friedensrat.org/pages/themen/geschichten-aus-dem-markgraeflerland/julian-garlewicz.php

 

Wir, der Friedensrat Markgräflerland, pflegen seit Jahren die Erinnerung an Julian und an seine Ermordung.

Wir suchen dringend Informationen über das Leben von Julian.

Wir suchen auf diesem Weg nach lebenden Nachfahren (Verwandten oder Bekannten der Familie) die uns weitere Auskünfte/Fotos/Dokumente über Julian zur Verfügung stellen können.

Damit wollen wir ein deutlicheres Bild von Julian zeichnen und hoffen, seinem Namen ein Gesicht geben zu können. So soll er beispielhaft für so viele andere nie vergessen werden.

 

Die uns bekannten Daten seiner Famile sind:

Juilan Garlewicz: *16.2.2015 -  † 13. 11.1942

Vater: Vinzenz Garlewicz, * 1883 - † 1943

Mutter: Johanna Garlewicz, * 1882 - †1943

Geschwister: Wladyslawa Sonic - Stryszewska: *11.11.1910- † 1998

Josefa Garlewicz:  * 19.03.1913- † 1998

Teofil Garlewicz: * 20.09.1918 - † ??

Gerne können Sie uns auf die folgende email-Adresse antworten bzw. Unterlagen zu mailen: mailto:friedensrat-muellheim(at)gmx(dot)de

Haben Sie vielen Dank für Ihre Bemühungen.

Wir freuen uns sehr auf Antworten.

Viele Grüße aus Süddeutschland,

Ulrich Rodewald & Anne-Katrin Vetter

Todesurkunde von Julian Garlewicz

 

Ladies and Gentlemen,

we , that is Ulrich Rodewald and Anne-Katrin Vetter, are members of the peace council Markgräflerland, South of Germany ( www.friedensrat.org ).

Unfortunately we do not talk Polish. Therefore we write you in English and in German.

You receive this message from us, because your second name is „Garlewicz“.

We are looking for relatives or acquaintances of Julian Garlewicz, born on February 16th, 1915 in Porabka/Bedzin. Today this is a district of Sosnowiec.


Julian Garlewicz was displaced by the Nazis in September 1939 as a prisoner of war to Germany. He had to do compulsory labour in Niederweiler, nearby Müllheim.
Because he had fallen in love with a German woman he was arrested on November 13th, 1942, and was murdered in Niederweiler.

Further information about Julian Garlewicz can be found here:

http://www.friedensrat.org/pages/themen/geschichten-aus-dem-markgraeflerland/julian-garlewicz.php

We, the peace council Markgräflerland, cultivate for years the reminiscence of Julian and his assassination.

We are desperately looking for information about his life.

We are looking by this way for still living and descendants/relatives or friends of the family Garlewicz who could provide us with further information, photos, documents regarding Julian.

By these means we would love to create a picture of Julian. We hope to add a face to his name.

That way shall help us to let him as a representative for so many others not to be forgotten.

The us known data of his family are as follows:

Juilan Garlewicz: *16.2.2015 -  † 13. 11.1942

Father: Vinzenz Garlewicz, * 1883 - † 1943

Mother: Johanna Garlewicz, * 1882- †1943

Siblings: : Wladyslawa Sonic - Stryszewska: *.11.11.1910- C 1998

Josefa Garlewicz:  * 19.03.1913- † 1998

Teofil Garlewicz: * 20.09.1918 - † ??

We would be pleased if you sent us your answer or documents, fotos etc. to the following email-address:  mailto:friedensrat-muellheim(at)gmx(dot)de

 

Thank you very much indeed for your efforts.

We are looking forward to your answer.

With warm regards out of Southern Germany,

Ulrich Rodewald & Anne-Katrin Vetter

 

Im November 1942 wurde der polnische Zwangsarbeiter Julian Garlewicz in einem Steinbruch bei Niederweiler gehängt.

W listopadzie 1942 roku w kamieniołomie koło Niederweiler powieszono polskiego robotnika przymusowego Juliana Garlewicza.

Julian Garlewicz wurde am 10. Februar 1915 in Porabka/Sosnowiec in der Kolonie Pekin geboren.

Julian Garlewicz urodził się 10 lutego 1915 r. W Porabce / Sosnowcu w kolonii Pekin.

Sein "Verbrechen": Er liebte eine Frau, die aus Deutschland war. Seine Ermordung macht eindringlich deutlich,  wozu Rassenwahn führt

 

 Jego „zbrodnia”: kochał kobietę pochodzącą z Niemiec.
Jego zabójstwo wyjaśnia, co powoduje rasową manię.

An das Schicksal von Julian Garlewicz erinnern bedeutet die Mahnung, Entwicklungen entgegenzutreten, die zu solchen Verbrechen führen: Es gibt keine Rassen, es gibt Menschen.

Pamiętając o losie Juliana Garlewicza, zachęca się do przeciwdziałania rozwojowi, który prowadzi do takich zbrodni: nie ma ras, są ludzie.

Der Friedensrat Markgräflerland gedachte Julian Garlewicz an dem Tag seiner Ermordung am 13. November an der Gedenktafel für ihn auf dem Friedhof in Müllheim-Niederweiler

 

Rada Pokoju Markgräflerland upamiętniła Juliana Garlewicza w dniu jego zabójstwa 13 listopada na tablicy dla niego na cmentarzu w Müllheim-Niederweiler

 

100. Geburtstag von Julian Garlewicz

Am 16. Februar 2015 trafen sich Angehörige des Friedensrats Markgräflerland an der Gedenktafel für Julian Garlewicz auf dem Friedhof in Niederweiler, um seiner an seinem 100. Geburtstag zu gedenken und legten Blumengebinde nieder.

Der Friedensrat möchte bis zu den diesjährigen Friedenswochen im Herbst eine Broschüre über das Schicksal von Julian Garlewicz  erstellen. Deshalb wenden wir uns an Menschen aus der Region, die aus ihrer Kenntnis etwas zum Schicksal von Julian Garlewicz oder seiner Leidensgenossinnen und -genossen sagen können.

Bitte wenden telefonisch an Anne-Katrin Vetter 07635/ 822 781 sich  oder an friedensrat-muellheim(at)gmx(dot)de 

 

 

 

Berichte über das Schicksal von Julian Garlewicz in der örtlichen Presse:

 

Badische Zeitung

Di, 13. November 2012 - Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
von: Gabriele Babeck-Reinsch

MÜLLHEIM-NIEDEREILER. Es wird keine offizielle Gedenkfeier geben, weil das Erinnern noch immer nicht leicht fällt an jene Tat, die am 13. November 1942 in Niederweiler begangen wurde – der Hinrichtung von Julian Garlewicz. Der junge Pole, als Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter ins Markgräflerland gekommen, hatte gegen die ihm vom nationalsozialistischen Regime auferlegten Regeln verstoßen. Deshalb ließ ihn die Gestapo ermorden. Er wurde im Steinbruch Richtung Lipburg gehenkt.
Eine Gedenktafel auf dem alten Niederweiler Friedhof erinnert an den jungen Polen. Sie wurde vor 20 Jahren zu seinem 50. Todestag angebracht. Damals, Anfang der 1990er Jahre, unternahmen mutige Menschen den Versuch, diese Geschichte aufzuklären. Ganz ist es nicht gelungen. Obwohl es noch Zeitzeugen gab und heute noch gibt, wollte und will niemand an dieser Vergangenheit rühren. Dieter Grether, zu jener Zeit Mitglied des Ortschaftsrats von Niederweiler und Stadtrat von Müllheim, hatte das Geschehen, von dem ihm sein Großvater berichtet hatte, nicht ruhen lassen. Noch heute erfüllt es ihn mit Bitterkeit, dass jene, die darum wissen, sich nicht äußern wollen.

Das mag in der Natur der Sache liegen, vielleicht aber auch daran, dass die Nachkommen der Familie endlich den Mantel des Schweigens darüber decken wollen. Sie wollten auch mit der BZ nicht darüber sprechen. Ortsvorsteher Michael Fischer aber überließ der BZ die zusammengetragenen Unterlagen, die doch etwas Licht in das Geschehen vor 70 Jahren bringen.

Julian Garlewicz wurde gehenkt, weil er einer deutschen Frau zu nahe kam. Wie sich diese Beziehung wirklich darstellte, das ist nicht verbürgt. Er soll mit ihr ein Verhältnis gehabt haben, heißt es in der abschließenden Gerichtsakte, die Dieter Grether als Ergebnis der Nachforschungen eines Kriminalbeamten von der Staatsanwaltschaft Freiburg mit Datum vom 4. Juni 1992 zugestellt wurde. Die Ermittlungen waren eingestellt worden, weil die namentlich bekannten Personen, die als mögliche Täter in Frage kamen, damals schon alle tot waren.

Der Gedenkstein, der an das Schicksal des polnischen Kriegsgefangenen Julian Garlewicz in
Niederweiler erinnert. Der Pole wurde vor 70 Jahren gehenkt. Foto: Babeck-Reinsch


Dieter Grether hatte im August 1990 die Zentralstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg angeschrieben und damit die offiziellen Nachforschungen ausgelöst. Die nachfolgende Familiengeneration der Frau widerspricht dieser Darstellung. Sie sieht das Ansehen der Vorfahrin in Zweifel gezogen und sagt, diese hätte die Mutter des Polen gewesen sein können. Sie habe kein Liebesverhältnis mit dem jungen Mann gehabt. Die Familie meint, dass das großmütige Wesen der Frau, die ihm Essen zugesteckt habe, in diesem falsche Erwartungen geweckt haben könnte. Für den 27-jährigen Julian Garlewicz spielte die wirkliche Ursache keine Rolle. Weil er einer deutschen Frau zu nahe kam, wurde ihm eine "Sonderbehandlung" zuteil, wie es im Jargon der Nationalsozialisten hieß. Er wurde zum Tode bestimmt – ohne ein Gerichtsurteil. Für die polnischen und die russischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen sei der intime Umgang mit Frauen unter Todesstrafe verboten gewesen, schrieb die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen Ludwigsburg an Dieter Grether. Der Ablauf eines sogenannten Sonderbehandlungsverfahrens sei in zahlreichen Erlassen geregelt gewesen. Der Beschuldigte wurde in Haft genommen. Die zuständige Gestapo-Behörde habe die Ermittlungen geführt, in die Exekution seien häufig örtliche Gendarmerie oder Kriminalpolizeistellen einbezogen gewesen. Sie hätten die zur Richtstätte gebrachten Fremdarbeiter aus der näheren Umgebung, die zur Abschreckung an die Richtstätte gebracht worden seien, bewacht. "Häufig waren auch Vertreter des Staates oder der Partei (Bürgermeister, Landrat oder Kreisleiter) bei der Exekution zugegen. Herrin des Geschehens war jedoch immer die Gestapo", heißt es in dem Schreiben aus Ludwigsburg.

Die Gestapostelle habe den Vorgang dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin gemeldet. Bis im Herbst 1942, ist dem Schreiben der Landesjustizverwaltungen zu entnehmen, traf Heinrich Himmler, der damalige SS-Reichsführer und Chef der deutschen Polizei, selbst die Entscheidung über "Sonderbehandlungen". Die Justiz war bei derartigen Verfahren völlig außen vor. Im Zuständigkeitsbereich der Gestapoleitstelle Karlsruhe, zu der Niederweiler zählte, waren zum Zeitpunkt der Anfrage 38 Sonderbehandlungsfälle bekannt, nicht aber der von Garlewicz.
Dass sein Schicksal zutage trat, ist auf einen denkwürdigen Umstand zurückzuführen. 1990 feierte das Markgräfler Gymnasium sein 150-jähriges Bestehen. Bei der Suche nach Schriftstücken für eine Broschüre zur Geschichte der Schule stieß Rolf Schuhbauer auf ein altes Protokollbuch, in dem er einen interessanten Eintrag fand. Zwei Schüler waren 1942 zu vier Stunden Karzer verdonnert worden, weil sie einer Henkung zugeschaut hatten. Rolf Schuhbauer, der auch die Geschichte der Müllheimer Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft recherchiert und dazu ein Buch geschrieben hat, forschte weiter. Er erkundigte sich beim Standesamt in Niederweiler nach den Todesfällen am entsprechenden Datum. Und er erhielt eine Kopie der Todesurkunde, aus der hervorging, dass Julian Garlewicz, geboren am 16. Februar 1915 in Porombki, katholisch, am 13. November 1942 starb. Zur Todesursache war allerdings nichts vermerkt. So kam es, dass dessen Ende in der Schulgeschichte Niederschlag fand, mit Schuhbauers Essay "Die letzte öffentliche Hinrichtung". Schon 1986 hatte ein Müllheimer Stadtrat eine Postkarte erhalten mit dem Hinweis auf die Hinrichtung eines Polens, ausgelöst offenbar dadurch, dass damals die Partnerschaft des Markgräfler Gymnasiums mit einer polnischen Stadt auf der Tagesordnung stand.

Anfang der 1990er Jahre entstand auch eine Arbeitsgruppe, die eine Form des Erinnerns und Gedenkens suchte. Sie hatte sich "Maximen des Handels" gegeben, wie einem Sitzungsprotokoll zu entnehmen ist. Besonders wichtig war den Beteiligten damals und ist es heute, dass daraus nicht eine neue Hetzkampagne entstehen konnte, dass "Unbescholtene der Gegenwart", deren Vorfahren das Geschehen einbezogen waren, vor Angriffen geschützt wurden. Denn das Mitgefühl gilt auch jener Frau, die in diese Geschichte wie auch immer geraten war. Entscheidend war für diejenigen, die an der Aufdeckung interessiert waren, die Verstrickungen staatlicher Willkürherrschaft, die bis in die Dorfgemeinschaften hinein wirkten, zu beleuchten und auf "die weitere deutsch-polnische Aussöhnung" zu richten. Für die Gedenkfeier vor 50 Jahren war Kontakt mit der Schwester von Julian Garlewicz aufgenommen worden, die allerdings nicht gesund genug war, um dafür nach Niederweiler zu reisen.

Wo Julian Garlewicz’ Leib verblieben ist, weiß offiziell niemand. Er sei von der Gestapo in die Freiburger Anatomie gebracht worden, heißt es in einem Bericht, dessen Verfasser nicht gekennzeichnet ist. Dieter Grether meint, er sei anonym bestattet worden.

Der 70. Todestag von Julian Garlewicz bleibt nicht unbeachtet. Der Friedensrat besucht den Gedenkstein auf dem Niederweiler Friedhof am Dienstag, 13. November, um 17 Uhr.

Oberbadische Zeitung

Dorothee Philipp 15.11.2012

"Eine Mauer des Schweigens"
An der Gedenktafel für Julian Garlewicz auf dem Friedhof Niederweiler wird jedes Jahr am 13. November an die Ermordung eines polnischen Zwangsarbeiters durch die Nazis erinnert.

 

Foto: Dorothee Philipp


Müllheim-Niederweiler (do). Seit 1992 gibt es auf dem Friedhof in Niederweiler jeweils am 13. November eine Gedenkfeier für Julian Garlewicz. Der 26-jährige polnische Zwangsarbeiter wurde am 13. November 1942 in einem Steinbruch bei Lipburg ohne Gerichtsverfahren erhängt. Ihm wurde angelastet, eine deutsche Frau behelligt zu haben. Seit vielen Jahren veranstaltet der Friedensrat Markgräflerland dieses Gedenken an einer Erinnerungstafel an der Nordostmauer des alten Friedhofs Niederweiler, der inzwischen zum Müllheimer Zentralfriedhof vergrößert wurde. Die jüngste Gedenkfeier am Dienstag stand im Zeichen dieser unseligen Vergangenheit, die immer noch nicht aufgearbeitet ist. "Die politische Gemeinde ist Garlewicz eine offizielle würdige Feier immer noch schuldig", sagte Dieter Grether aus Niederweiler, der seit den frühen 1990er Jahren versucht, bei Justizbehörden und Archiven Einzelheiten und Fakten zu dem Fall zusammenzutragen, da er im Dorf "auf eine Mauer des Schweigens" gestoßen sei. Ulrich Rodewald, der Sprecher des Friedensrates, würdigte Grether nach einer Schweigeminute als Initiator der Gedenktafel, die hier angebracht ist, weil sich für einen Gedenkstein direkt am Ort des Verbrechens keine Mehrheit im Ortschaftsrat gefunden hatte. Es gehe keineswegs darum, der Familie, in der Garlewicz als Zwangsarbeiter zugeteilt war, einen Vorwurf zu machen oder gar jemanden zu beschuldigen, betonte Rodewald, sondern die zentrale Frage sei, wie die politische und soziale Gemeinschaft heute mit der Tat umgehe. Denn immer noch schweigen die Menschen, die Berichte von Zeitzeugen gehört hatten. Viele direkte Zeugen sind inzwischen verstorben. Am Leben sind unter vielen anderen aber auch die beiden Personen, die damals als Schüler heimlich der Exekution zugeschaut hatten und dafür von der Schulleitung vier Stunden Karzer bekommen hatten. Diese Eintragung hat Rolf Schuhbauer, ehemaliger stellvertretender Schulleiter am Markgräfler Gymnasium, in einem Protokollbuch der Lehrerkonferenzen an der "Markgräfler Schule" in Müllheim unter dem Datum 14.11.1942 gefunden. Die Frage, was mit dem toten Julian Garlewicz passiert ist, scheint sich indessen vielleicht aufzuklären. Nachdem bisher vermutet wurde, man habe ihn in die Anatomie nach Freiburg geschafft, konnte Grether im Rahmen der Feier von einem Telefonanruf berichten, der Hinweise darauf gebe, dass die Leiche auf dem jüdischen Friedhof in Müllheim verscharrt worden war. "Man hat ihn dort verlocht wie einen räudigen Hund und gleichzeitig damit die Geringschätzung für den jüdischen Friedhof gezeigt", sagte Grether. Er ist sich auch sicher, die Person zu kennen, die Garlewicz damals angezeigt hat. "Es ist in Niederweiler passiert, aber deswegen macht niemand den Nachfahren einen Vorwurf, es geht nur darum, zu der Geschichte zu stehen und sie aufzuarbeiten", betonte er sichtlich aufgewühlt. "Noch keinem Menschen, der in Niederweiler gewohnt hat, ist so ein Unrecht geschehen". Ein "anständiges Begräbnis" mit der Beteiligung offizieller Stellen wäre seiner Ansicht nach eine Möglichkeit, das Unrecht aufzuarbeiten. Alle Anwesenden, unter ihnen auch der Kur- und Gemeindeseelsorger aus Bad Bellingen, Horst Panzer, und Ortschaftsrat Jürgen Hauke waren sich einig, dass es angesichts des neuen Rechtsextremismus wichtig ist, solche Dinge aus der Vergangenheit in den Schulen zu thematisieren. "Die heutige Jugend kann das gar nicht glauben, was damals gang und gäbe war", ist sich Grether sicher.

Um Kontakt zu Angehörigen von Julian Garlewicz aufnehmen zu können, haben wir uns an das polnische Konsulat in München gewandt. Hier eine erste Antwort des Konsuls:

 

 

 

 

Eine Liebe in Niederweiler


Am 13. November 1942 wurde der polnische Zwangsarbeiter Julian Garlewicz in einem Steinbruch bei Lipburg gehängt. Sein "Verbrechen": Er liebte eine Frau, die aus Deutschland war.
In dem Drama von Rolf Hochhuth " Eine Liebe in Deutschland" ist exemplarisch beschrieben, wozu Rassenwahn führt.
An das Schicksal von Julian Garlewicz erinnern bedeutet die Mahnung, Entwicklungen entgegenzutreten, die zu solchen Verbrechen führen: Es gibt keine Rassen, es gibt Menschen.
Nach Berichten soll Julian Garlewicz Leiche auf dem jüdischen Friedhof in Müllheim vergraben worden sein. Der Friedensrat Markgräflerland hat sich an die Stadt Müllheim mit der Bitte gewandt, diesen Hinweisen nachzugehen und wendet sich an die Öffentlichkeit, zur Aufklärung dieses Sachverhaltes beizutragen. Angaben sind erbeten an Uli Rodewald, Tel 07631/9318564.
Der Friedensrat Markgräflerland gedenkt Julian Gralewicz am Donnerstag, den 13. November 2014  um 17.00 Uhr auf dem Friedhof in Niederweiler

 

 

 

Gerichtet ohne Gerichtsurteil

Veröffentlicht von Friedensrat (admin) am Feb 23 2013
Julian Garlewicz >>

Badische Zeitung

http://www.badische-zeitung.de/muellheim/gerichtet-ohne-gerichtsurteil--65572864.html

Di, 13. November 2012 - Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung.
von: Gabriele Babeck-Reinsch

MÜLLHEIM-NIEDEREILER. Es wird keine offizielle Gedenkfeier geben, weil das Erinnern noch immer nicht leicht fällt an jene Tat, die am 13. November 1942 in Niederweiler begangen wurde – der Hinrichtung von Julian Garlewicz. Der junge Pole, als Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter ins Markgräflerland gekommen, hatte gegen die ihm vom nationalsozialistischen Regime auferlegten Regeln verstoßen. Deshalb ließ ihn die Gestapo ermorden. Er wurde im Steinbruch Richtung Lipburg gehenkt.
Eine Gedenktafel auf dem alten Niederweiler Friedhof erinnert an den jungen Polen. Sie wurde vor 20 Jahren zu seinem 50. Todestag angebracht. Damals, Anfang der 1990er Jahre, unternahmen mutige Menschen den Versuch, diese Geschichte aufzuklären. Ganz ist es nicht gelungen. Obwohl es noch Zeitzeugen gab und heute noch gibt, wollte und will niemand an dieser Vergangenheit rühren. Dieter Grether, zu jener Zeit Mitglied des Ortschaftsrats von Niederweiler und Stadtrat von Müllheim, hatte das Geschehen, von dem ihm sein Großvater berichtet hatte, nicht ruhen lassen. Noch heute erfüllt es ihn mit Bitterkeit, dass jene, die darum wissen, sich nicht äußern wollen.

Das mag in der Natur der Sache liegen, vielleicht aber auch daran, dass die Nachkommen der Familie endlich den Mantel des Schweigens darüber decken wollen. Sie wollten auch mit der BZ nicht darüber sprechen. Ortsvorsteher Michael Fischer aber überließ der BZ die zusammengetragenen Unterlagen, die doch etwas Licht in das Geschehen vor 70 Jahren bringen.

Julian Garlewicz wurde gehenkt, weil er einer deutschen Frau zu nahe kam. Wie sich diese Beziehung wirklich darstellte, das ist nicht verbürgt. Er soll mit ihr ein Verhältnis gehabt haben, heißt es in der abschließenden Gerichtsakte, die Dieter Grether als Ergebnis der Nachforschungen eines Kriminalbeamten von der Staatsanwaltschaft Freiburg mit Datum vom 4. Juni 1992 zugestellt wurde. Die Ermittlungen waren eingestellt worden, weil die namentlich bekannten Personen, die als mögliche Täter in Frage kamen, damals schon alle tot waren.

Der Gedenkstein, der an das Schicksal des polnischen Kriegsgefangenen Julian Garlewicz in
Niederweiler erinnert. Der Pole wurde vor 70 Jahren gehenkt. Foto: Babeck-Reinsch


Dieter Grether hatte im August 1990 die Zentralstelle für NS-Verbrechen in Ludwigsburg angeschrieben und damit die offiziellen Nachforschungen ausgelöst. Die nachfolgende Familiengeneration der Frau widerspricht dieser Darstellung. Sie sieht das Ansehen der Vorfahrin in Zweifel gezogen und sagt, diese hätte die Mutter des Polen gewesen sein können. Sie habe kein Liebesverhältnis mit dem jungen Mann gehabt. Die Familie meint, dass das großmütige Wesen der Frau, die ihm Essen zugesteckt habe, in diesem falsche Erwartungen geweckt haben könnte. Für den 27-jährigen Julian Garlewicz spielte die wirkliche Ursache keine Rolle. Weil er einer deutschen Frau zu nahe kam, wurde ihm eine "Sonderbehandlung" zuteil, wie es im Jargon der Nationalsozialisten hieß. Er wurde zum Tode bestimmt – ohne ein Gerichtsurteil. Für die polnischen und die russischen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen sei der intime Umgang mit Frauen unter Todesstrafe verboten gewesen, schrieb die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen Ludwigsburg an Dieter Grether. Der Ablauf eines sogenannten Sonderbehandlungsverfahrens sei in zahlreichen Erlassen geregelt gewesen. Der Beschuldigte wurde in Haft genommen. Die zuständige Gestapo-Behörde habe die Ermittlungen geführt, in die Exekution seien häufig örtliche Gendarmerie oder Kriminalpolizeistellen einbezogen gewesen. Sie hätten die zur Richtstätte gebrachten Fremdarbeiter aus der näheren Umgebung, die zur Abschreckung an die Richtstätte gebracht worden seien, bewacht. "Häufig waren auch Vertreter des Staates oder der Partei (Bürgermeister, Landrat oder Kreisleiter) bei der Exekution zugegen. Herrin des Geschehens war jedoch immer die Gestapo", heißt es in dem Schreiben aus Ludwigsburg.

Die Gestapostelle habe den Vorgang dem Reichssicherheitshauptamt in Berlin gemeldet. Bis im Herbst 1942, ist dem Schreiben der Landesjustizverwaltungen zu entnehmen, traf Heinrich Himmler, der damalige SS-Reichsführer und Chef der deutschen Polizei, selbst die Entscheidung über "Sonderbehandlungen". Die Justiz war bei derartigen Verfahren völlig außen vor. Im Zuständigkeitsbereich der Gestapoleitstelle Karlsruhe, zu der Niederweiler zählte, waren zum Zeitpunkt der Anfrage 38 Sonderbehandlungsfälle bekannt, nicht aber der von Garlewicz.
Dass sein Schicksal zutage trat, ist auf einen denkwürdigen Umstand zurückzuführen. 1990 feierte das Markgräfler Gymnasium sein 150-jähriges Bestehen. Bei der Suche nach Schriftstücken für eine Broschüre zur Geschichte der Schule stieß Rolf Schuhbauer auf ein altes Protokollbuch, in dem er einen interessanten Eintrag fand. Zwei Schüler waren 1942 zu vier Stunden Karzer verdonnert worden, weil sie einer Henkung zugeschaut hatten. Rolf Schuhbauer, der auch die Geschichte der Müllheimer Juden unter nationalsozialistischer Herrschaft recherchiert und dazu ein Buch geschrieben hat, forschte weiter. Er erkundigte sich beim Standesamt in Niederweiler nach den Todesfällen am entsprechenden Datum. Und er erhielt eine Kopie der Todesurkunde, aus der hervorging, dass Julian Garlewicz, geboren am 16. Februar 1915 in Porombki, katholisch, am 13. November 1942 starb. Zur Todesursache war allerdings nichts vermerkt. So kam es, dass dessen Ende in der Schulgeschichte Niederschlag fand, mit Schuhbauers Essay "Die letzte öffentliche Hinrichtung". Schon 1986 hatte ein Müllheimer Stadtrat eine Postkarte erhalten mit dem Hinweis auf die Hinrichtung eines Polens, ausgelöst offenbar dadurch, dass damals die Partnerschaft des Markgräfler Gymnasiums mit einer polnischen Stadt auf der Tagesordnung stand.

Anfang der 1990er Jahre entstand auch eine Arbeitsgruppe, die eine Form des Erinnerns und Gedenkens suchte. Sie hatte sich "Maximen des Handels" gegeben, wie einem Sitzungsprotokoll zu entnehmen ist. Besonders wichtig war den Beteiligten damals und ist es heute, dass daraus nicht eine neue Hetzkampagne entstehen konnte, dass "Unbescholtene der Gegenwart", deren Vorfahren das Geschehen einbezogen waren, vor Angriffen geschützt wurden. Denn das Mitgefühl gilt auch jener Frau, die in diese Geschichte wie auch immer geraten war. Entscheidend war für diejenigen, die an der Aufdeckung interessiert waren, die Verstrickungen staatlicher Willkürherrschaft, die bis in die Dorfgemeinschaften hinein wirkten, zu beleuchten und auf "die weitere deutsch-polnische Aussöhnung" zu richten. Für die Gedenkfeier vor 50 Jahren war Kontakt mit der Schwester von Julian Garlewicz aufgenommen worden, die allerdings nicht gesund genug war, um dafür nach Niederweiler zu reisen.

Wo Julian Garlewicz’ Leib verblieben ist, weiß offiziell niemand. Er sei von der Gestapo in die Freiburger Anatomie gebracht worden, heißt es in einem Bericht, dessen Verfasser nicht gekennzeichnet ist. Dieter Grether meint, er sei anonym bestattet worden.

Der 70. Todestag von Julian Garlewicz bleibt nicht unbeachtet. Der Friedensrat besucht den Gedenkstein auf dem Niederweiler Friedhof am Dienstag, 13. November, um 17 Uhr.

Zuletzt geändert am: Feb 23 2013 um 8:54 PM

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