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22. Juni 1941:Überfall Nazi Deutschlands auf die Sowjetunion

Vor 80 Jahren, am 22. Juni 1941, fiel die  Wehrmacht der Nazis in die Sowjetunion ein. Die Nazis wollten einen „Vernichtungskampf“.

30 Millionen Menschen  aus den Ländern der Sowjetunion – „slawische Untermenschen“ im Jargon der Nazis - wurden erschossen und verbrannt, in den Vernichtungslagern gefoltert und ermordet. Sie wurden Opfer des anderen deutschen Völkermords, der in der Erinnerungskultur in Deutschland weitgehend geleugnet oder missachtet wird.

Bis Kriegsende nimmt die Wehrmacht etwa 5,7 Millionen Soldaten und Soldatinnen der Roten Armee gefangen. Ihre Behandlung ist verbrecherisch. Dabei spielen antikommunistische und rassistische Einstellungen ebenso eine Rolle wie militärische und wirtschaftliche Interessen des NS-Regimes. Insgesamt kommen mehr als drei Millionen sowjetische Kriegsgefangene um. Eine Vielzahl von ihnen wird erschossen. Die meisten sterben aufgrund einer völlig unzureichenden Versorgung an Hunger und Krankheiten, vor allem bis zum Frühjahr 1942. Auch in Müllheim.

Mit mehr als drei Millionen Toten sind die sowjetischen Kriegsgefangenen eine der größten Opfergruppen deutscher Massenverbrechen. Dennoch wird bis heute kaum an sie erinnert.

Auch in in Müllheim gab es ein "Russenlager".

(Wir wissen aber nicht an welchem Ort es sich befand und sind für jeden Hinweis, diesen herauszufinden, dankbar.)

Im Staatsarchiv Freiburg findet sich ein Akt mit diesem Titel:
"Auflistung der mit russischen Gefangenen zum Arbeitseinsatz ausgestatteten Firmen im Landkreis Müllheim/1942-1944

Die Akte verzeichnet Einsätze vom 23.11.1942 bis zum 23.November 1944.
Aufgeführt ist der Tag des Einsatzes, die „Zahl der Russen“, die Empfänger Firma, deren Sitz, und eine Bestätigung über den „Empfang der Besch(äftigten).

Preussisch-deutsch wurde da über den Einsatz von Kriegsgefangenen Buch geführt:

In dieser Zeit sind 321 Einsätze von 930 Arbeitern  Zwangsarbeitern dokumentiert.

Und in den Arolsen Archiven findet sich dieses Schriftstück:

(Diese doppelte Schändung des jüdischen Friedhofs entspräche sehr wohl der Nazi Ideolgie; ob sich dies bestätigen lässt, werden weitere Nachforschungen zeigen)

Der Sieg über die Nazis wurde von den Menschen der Sowjetunion teuer erkauft: An die 30 Millionen von ihnen, in der Mehrheit Zivilisten, haben ihn nicht mehr erlebt. In der relativ kleinen weißrussischen Sowjetrepublik, dem heutigen Belarus, die als erste dem Überfall ausgesetzt war, machten die Deutschen fast 1000 Dörfer und Städte dem Erdboden gleich; über ein Viertel der Bevölkerung fiel dort den Mordaktionen von Wehrmacht und SS zum Opfer. Mindestens 800.000 Einwohner Leningrads verhungerten bei der Belagerung ihrer Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944. Mehr als die Hälfte der 5,7 Millionen in die Fänge der Wehrmacht geratenen Rotarmisten kamen in deutscher Kriegsgefangenschaft um.

 

30 Millionen Menschen – „slawische Untermenschen“ im Jargon der Nazis: das war der andere deutsche Völkermord, der in der Erinnerungskultur in Deutschland weitgehend geleugnet oder missachtet wird. Im Verhältnis Deutschlands zur Russischen Föderation, dem völkerrechtlichen Nachfolgestaat der Sowjetunion, meint sich mancher heutige deutsche Politiker frei machen zu können von den Mordtaten der Nazis. Manchmal mag man gar den Eindruck gewinnen, dass viele unserer Politiker daran arbeiten, sei‘s bewusst oder unbewusst, die alten, von den Nazis übernommenen antirussischen Ressentiments zu reaktivieren.

Die Friedenskräfte müssen hier gegensteuern. Verständigung mit Russland, heißt, die von den Erfahrungen der Geschichte genährten russischen Ängste zu verstehen und ernst zu nehmen. Daran arbeiten wir.

 

Denn:

Es ergibt sich zwingend die Frage: Wäre es nicht für die Menschheit Zeit, Kriege grundsätzlich abzulehnen und auf Verhältnisse gegenseitiger Achtung überzugehen, bei denen alle auch noch so komplizierten Fragen friedlich gelöst werden?

Boris Popov , Soldat der Roten Armee und Kriegsgefangener in Deutschland 2013 in einer Berliner Schule auf die Frage, was er fühlt, wenn er an die Gefangenschaft denkt

Jewgeni Jewtuschenko
Meinst du, die Russen wollen Krieg?

Meinst du, die Russem wollen Krieg?
Befrag die Stille, die da schwieg
im weiten Feld, im Pappelhain,
Befrag die Birken an dem Rain.
Dort, wo er liegt in seinem Grab,
den russischen Soldaten frag!
Sein Sohn dir drauf Antwort gibt:
 
Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?
 
Nicht nur fürs eig’ne Vaterland
fiel der Soldat im Weltenbrand.
Nein, daß auf Erden jedermann
in Ruhe schlafen gehen kann.
Holt euch bei jenem Kämpfer Rat,
der siegend an die Elbe trat,
was tief in unsren Herzen blieb:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?
Der Kampf hat uns nicht schwach gesehn,
doch nie mehr möge es geschehn,
daß Menschenblut, so rot und heiß,
der bitt’ren Erde werd’ zum Preis.
Frag Mütter, die seit damals grau,
befrag doch bitte meine Frau.
Die Antwort in der Frage liegt:

Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?

Es weiß, wer schmiedet und wer webt,
es weiß, wer ackert und wer sät -
ein jedes Volk die Wahrheit sieht:
Meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen woll’n,
meinst du, die Russen wollen Krieg?
 
(1961)

Einige Adressen zum Vertiefen:

► An Unrecht erinnern

► Rede des Bundespräsidenten Steinmeier anlässlich des 80. Jahrestages des Überfalls Nazi Deutschlan ds auf die Sowjetunion

 

 

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