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Flüchtling aus Freiburg verunglückt in Paris

Veröffentlicht von Administrator (admin) am Aug 07 2015
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Es ist die Odyssee eines jungen Mannes: Ein Jugendlicher flüchtet aus Ägypten nach Freiburg – und zieht weiter nach Frankreich. Dort verunglückt er. In der Kritik steht die Altersbestimmung.

  1. Ein junger Flüchtling hat sich offenbar alleine durchgeschlagen – und ist jetzt in Paris verunglückt. Foto: hikrcn/Fotolia

 

 

Ein jugendlicher Flüchtling aus Ägypten, der bei den Freiburger Behörden wegen einer Unterbringung in einer Jugendeinrichtung vorstellig geworden sein soll, ist am Mittwoch vergangener Woche im Pariser Bahnhof "Gare du Nord" verunglückt. Französische Medien berichten von lebensgefährlichen Verletzungen. Wie es ihm derzeit geht, ist unklar.

Einmal mehr steht beim Schicksal eines Flüchtlings die umstrittene medizinische Altersbestimmung in der Kritik. Das Josefskrankenhaus hatte Fahd Shahin aufgrund einer Röntgendiagnose als volljährig eingestuft, er selbst gab an, 1998 geboren zu sein. "Fahd hätte eine Betreuung als schutzbedürftiger und traumatisierter junger Mensch gebraucht, stattdessen wurde er aus entsprechenden Hilfseinrichtungen ausgeschlossen und allein gelassen", kritisiert das "Freiburger Forum aktiv gegen Ausgrenzung".

Shahin soll über das Mittelmeer und Italien nach Freiburg geflohen sein – wann und wie genau, ist nicht bekannt. Ebenso wenig, was er in seiner Heimat erlebt hat. "Seine Angaben differieren, in widersprüchlichen Aussagen traten wohl verdrängte Traumata und ein durch die Fluchterfahrungen entwickeltes Misstrauen zutage", glaubt das "Freiburger Forums" in einer Mitteilung. In Freiburg meldete sich Shahin bei den Behörden. Zunächst war er in einer Einrichtung des Christophorus-Jugendwerks für minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Eine Geburtsurkunde bescheinigt, dass er am 1. November 1998 geboren wurde. Französische Zeitungen sprechen von einem 16 Jahre alten Flüchtling. Wie üblich in Fällen, in denen das Jugendamt nach einer psychosozialen Einschätzung Zweifel an der Angabe des Flüchtlings hat, veranlasste die Behörde, sein Alter im St. Josefskrankenhaus durch Röntgen der Hand, überprüfen zu lassen. Das Zusammenwachsen der Knochen lässt Rückschlüsse auf das Entwicklungsstadium zu. Für genauere Untersuchungen des Schlüsselbeins greift das Krankenhaus auf die strahlungsfreie Magnetresonanz- oder Kernspintomografie zurück (die BZ berichtete). Shahin wurde von den Ärzten aufgrund des Röntgenbilds "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" als 19-jährig oder älter eingestuft. Wegen dieses Befundes veranlasste das Jugendamt das Ende der Inobhutnahme – Shahin musste die Jugendeinrichtung verlassen und sollte sich nach Karlsruhe in die Landeserstaufnahmestelle (LEA) begeben. Er habe aber in Freiburg bleiben wollen, sagt das "Freiburger Forum".

 

 

Schwere Verbrennungen und Hirnverletzungen


Shahin begab sich im Januar 2015 dann aber doch in die LEA – und kam noch einmal nach Freiburg zurück. Im Februar hatte er wieder Kontakt mit dem hiesigen Jugendamt, dem er am 26. Februar mitteilte, dass er nicht mehr nach Karlsruhe gehe, weil man ihm dort nicht helfen könne. Der ärztliche Befund und die Alterseinschätzung seien falsch. Allerdings glaubte ihm das Jugendamt nicht, ebenso wenig das eines Nachbarlandkreises, bei dem er auch vorstellig wurde. Vorübergehend war er in einer Pflegefamilie untergebracht. Am 27. Juli soll er Freiburg verlassen haben. Zwei Tage später kam er im "Gare du Nord" in Paris beim Versuch, vom Dach eines Zuges auf das eines anderen, nach London fahrenden Zugs zu springen, mit der Oberleitung in Kontakt. Dabei erlitt er schwere Verbrennungen und Hirnverletzungen. Dies bestätigte die Pariser Grenzpolizei.

Zuletzt geändert am: Aug 07 2015 um 3:13 PM

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