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1. Mai Rede Uli Rodewald

Rede Uli Rodewald
DGB Markgräflerland
1.Mai 2014 in Müllheim – Marktplatz

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

für den DGB Markgräflerland heiße ich Sie herzlich willkommen. Zu unserer 1. Mai Veranstaltung in Müllheim.
Für uns ist dieser Tag ein Tag für die arbeitenden Menschen. Nicht in dem Sinne, dass abeitsfrei ist und mann und auch frau Zeit im Grünen oder auch ganz woanders verbringt.

Für uns ist dieser Tag ein Tag der arbeitenden Menschen um uns gemeinsam zu vergewissern, wo wir stehen und vor welchen Aufgaben.

Das größte wirtschafts- und sozialpolitische Problem in Europa ist die Jugendarbeitslosigkeit, besonders die in Südeuropa. Sechzig Prozent der bis Fünfundzwanzigjährigen in Griechenland und fünfzig Prozent in Spanien haben keine Arbeit, in Italien und Portugal ist es ein Drittel. Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt zu Recht von einer „verlorenen Generation“.
Dies ist der gegenwärtig größte Skandal in der EU!!!!
Wir grüßen unsere Kolleginnen und Kollegen in Spanien und Portugal, in Griechenland und Zypern, die sich gegen den Abbau sozialer Errungenschaften wehren und für ihre Rechte eintreten:
Für ihr Recht auf Arbeit.
Für ihr Recht auf Bildung.
Für ihr Recht auf eine vernünftige Gesundheitsversorgung
Für ihr Recht auf ein menschenwürdiges Leben.
Denn darum geht: in Würde leben zu können.

Wir grüßen von dieser Stelle aus unsere Kolleginnen, wo immer sie auch leben und erklären uns solidarisch mit ihren Auseinandersetzungen.
Weil wir wissen: Ihre Kämpfe, sind auch unsere Kämpfe. Früher oder später.

Ob wir es wollen oder nicht: Das Schicksal der arbeitenden Menschen in den Krisenregionen betrifft auch uns. Mal deutlicher und mal weniger deutlich. Aber es betrifft uns.
Unsere Vorstellung von Gerechtigkeit ist nicht, dass es allen schlecht, sondern dass es den vielen besser geht.
Gute Arbeit in einem sozialen Europa heißt das diesjährige Motto der 1. Mai Veranstaltungen des DGB. Es heißt nicht: Gute Arbeit für Menschen in Deutschland.

Deutschland ist wohlhabender als die Gesellschaften des Südens. Auch die Löhne sind hier höher, die Arbeitslosigkeit ist geringer. Wir wissen inzwischen, dass die Armut in Deutschland zunimmt, aber Armut in Deutschland ist etwas Anderes als Armut in Griechenland. Machen wir uns da nichts vor.

Die Unternehmer werden nicht müde, immer wieder von den so hohen Löhnen in Deutschland zu reden. Die Einführung des Mindestlohnes wird von ihnen als Sargnagel ihrer Wirtschaft dargestellt.  Aber das Problem ist bei uns in Wirklichkeit ein ganz anderes:

Nicht die Löhne sind zu hoch, sondern die Gewinne.

Seit Jahrzehnten steigt in Deutschland die Arbeitsproduktivität schneller als die Lohneinkommen. Damit steigen die Gewinne. Die wiederum zum einen nur durch den Export realisiert werden können. Zum anderen werden diese Gewinne zu Geldanlagen bei Banken.
Die armen Gesellschaften des Südens können die Waren aus Deutschland nicht bezahlen. Also müssen diese Länder sich verschulden. Bei wem müssen sie sich verschulden? Wenn wir eine Antwort zu geben versuchen, landen wir wieder in Deutschland.

Wenn die Lücke zwischen Produktivität und Arbeitseinkommen in Deutschland mit dafür verantwortlich für die große Probleme in anderen Ländern, vor allem für Jugendarbeitslosigkeit im Süden ist, dann muss diese Lücke geschlossen werden.
Löhne und Gehälter müssen zuminest ebenso schnell wachsen wie die Produktivität.
Die Einführung des Mindestlohnes – ohne wenns und abers – ist somit unbedingt geboten: Damit wird der Verarmung in unserem Lande entgegengehalten und  ein Beitrag zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit , der Jugendarbeitslosigkeit in Europa geleistet.

Die Veranstaltungen zum ersten Mai, diese hier in Müllheim, die in Freiburg, im Dreyeckland, in Europa und der Welt dienen aber nicht nur der Selbst-Verständigung. Sie sind zugleich ein Mißtrauenvotum gegen die Regierenden.

Mit Stephane Hessel, französischer Widerstandkämpfer mit deutscher Herkunft und Diplomat, sagen wir: Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.

Wir wollen Neues schaffen und leisten Widerstand.
Wir sind empört und leisten Widerstand, wenn die Regierenden nicht die Armut,
sondern die Armen bekämpfen.

Wir sind empört und leisten Widerstand, wenn nicht die Verursacher der Krise, wenn nicht die Profiteure der Krise zur Kasse gebeten werden, sondern die Opfer der Krise.

Wir sind empört und leisten Widerstand, wenn Kriege als Friedensmissionen bezieichnet werden und Milliarden € in der Rüstung verpulvert werden.

Wir sind empört – und wir engagieren uns.
Denn wir wissen: besser als gerührt sein ist sich rühren.

Wir rühren uns in Müllheim, wir rühren uns im Dreyeckland. Wir setzen uns ein für die sozialen Belange der Menschen, gemeinsam mit ihnen.

Wohin die Welt sich bewegt, es hängt – zumindest auch – von uns ab. Von unserer Empörung, unserem Widerstand, unserem Engagement.

In diesem Sinne wünsche ich uns einen guten 1. Mai.
Glück auf.










 

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